Waren setzt auf Willkommenskultur:

Wohnraum fehlt - hilft ein Flüchtlingsgipfel?

Auch drei Monate nach der Ankündigung von Bürgermeister Norbert Möller, dass auch die Müritzstadt vom Landkreis freundlich aber bestimmt darauf hingewiesen worden sei, 60 Flüchtlinge aufzunehmen, sucht die Stadt Unterkünfte. Dabei möchte sich Waren so gerne weltoffen zeigen.

Geht mit gutem Beispiel voran: Eberhard Albinsky, couragierter Bürger in Waren.
Andreas Becker Geht mit gutem Beispiel voran: Eberhard Albinsky, couragierter Bürger in Waren.

Es war kalt an diesem 9. April. Ein frischer Wind zog am Abend über den Neuen Markt. Gerade hatte der Bürgermeister im Rathaus vor den Mitgliedern des Hauptausschusses bekannt gegeben, dass jetzt Unterkünfte und Wohnungen her müssten, um Flüchtlingen und Asylbewerbern ein neues Zuhause bieten zu können. Mittlerweile sind drei Monate ins weite Müritzland gezogen, der Sommer hat sich über Waren ausgebreitet, die erste Juli-Hitze steht unmittelbar vor der Haustür. Doch ausreichende Wohnungen für die in ihren Heimatländern vom Tod bedrohten Flüchtlinge gibt es in Waren immer noch nicht. Auf Nordkurier-Anfrage räumte die Stadt am Dienstag ein, dass „immer noch Wohnraum gesucht wird“. Und wie viele Wohnungen fehlen noch? Antwort aus dem Rathaus: „Kapazitäten sind nicht bekannt.“

Mit anderen Worten: Alle eindringlichen Appelle und Aufrufe des Bürgermeisters sind weitgehend ins Leere gelaufen. Ob Wohnungsgesellschaften oder private Anbieter – das Echo auf Möllers Bitten war eher mau. Deshalb will die Stadt jetzt das Ruder herumreißen – und lädt zum „Gipfel Willkommenskultur für Asylbewerber/Flüchtlinge“ am 21. Juli ein. Ob Wohnungsgesellschaften, Vertreter von Kirchen, Vereinen und Verbänden, Schulleiter, Senioren- und Behindertenbeirat, Stadtvertreter und Bürger – alle sollen kommen. „Ziel ist, Hilfsangebote und Institutionen zu koordinieren, Bedarfe zu erfragen und Ziel ist natürlich auch zu zeigen, dass Waren eine weltoffene Stadt ist, in der Flüchtlinge willkommen sind“, heißt es in der offiziellen Einladung. Und: Flüchtlingspaten sollen ins Leben gerufen werden.

Couragierte Warener

Unabhängig von dieser städtischen Idee hat Eberhard Albinsky den Begriff Flüchtlingspate bereits genutzt. „Ohne jeden offiziellen Status einfach als stinknormaler Bürger, der helfen möchte“, erzählt Albinsky. Bei der Nazi-Demo am vergangenen Freitag hatte sich der couragierte Warener mit einem selbst gebastelten Schild mit der Aufschrift „Ich werde Flüchtlingspate – Kein Platz für Rassismus“ in die Reihen der demokratischen Gegendemonstranten gestellt. „Mit unserem sozialen und pädagogischen Hintergrund wollen wir den Flüchtlingen helfen – beispielsweise beim Deutschlernen“, berichtet Albinsky, der früher als Lehrer und später in der Diakonie tätig gewesen war. Seine Frau ist als frühere Sozialpädagogin ebenfalls mit im gemeinen (Flüchtlings-)Boot.

Dort sitzen bereits 16 ukrainische Staatsbürger, die in den vergangenen Tagen in Waren angekommen sind. „Sie sind dezentral über das Stadtgebiet verteilt und werden vom CJD Waren (einer Einrichtung im Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands, d. Red.) betreut“, teilte die Stadt mit.