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Wolfsgegner nehmen Rotkäppchen in Schutz

Die Feinde des grauen Räubers greifen jetzt zu ganz großen Argumenten. Weil es die Aufgabe jedes Bürgers ist, Schaden von der Allgemeinheit abzuwenden, muss die Gegnerschaft zum Wolf die moralische Pflicht jedes einzelnen sein.

Gerd Steinberg aus Boek, der Sprecher des Bündnisses gegen den Wolf.
Thomas Beigang Gerd Steinberg aus Boek, der Sprecher des Bündnisses gegen den Wolf.

Die Heimatzeitung ist schuld. Gerd Steinberg aus Boek, der Sprechers des „Bündnisses gegen den Wolf“ in Mecklenburg-Vorpommern, hat seine Erklärung für den spärlichen Besuch beim Treffen der Wolfsgegner am Wochenende in Neustrelitz schnell parat. „Die Meldung über unser Treffen“, sagt der Hobby-Schafzüchter aus dem Müritz-Nationalpark, „erschien viel zu spät im Nordkurier“. Aber auch egal. Denn diejenigen, die trotzdem erschienen sind, erwartet ein Vortrag, so wissenschaftlich und fundiert, wie er keinen anderen kennt, wirbt Steinberg um das Treffen. Und legitimiert gleich zu Beginn all jene, die gegen die Rückkehr des Wolfes sind, als die ganz wahren Demokraten. „Unsere Verfassung verlangt von jedem Bürger, Schaden vom Gemeinwesen abzuwenden. Es ist also die moralische Pflicht jedes Einzelnen, vor dem Wolf zu warnen.“

"Wie im falschen Film"

Der Mann aus Boek kündigt jetzt Steffi Jahnke an, eine Berufsschullehrerin und „persönliche Betroffene“, wie sie gleich klar stellt. Schließlich sei sie im Ehrenamt Vorsitzende eines Reitvereins und weil auch Neubrandenburg zum Wolfseinzugsgebiet zähle, macht sie sich große Sorgen um die Pferde. Und anders als hier, beim Treffen der Wolfsgegner, komme sie sich bei Treffen der verschiedenen Naturschutzorganisationen immer vor „wie im falschen Film“.

Dort, strafft die Berufsschullehrerin ihren Rücken, seien doch nur Ideologen am Werk, die wider den gesunden Menschenverstand argumentieren und überhaupt nur mit Hilfe des Wolfs ihre Pfründe sichern wollen. „Denn“, sagt Steffi Jahnke, „damit lassen sich Millionen verdienen“. Das wiederholt sie einige Male – ohne sich genauer in die Karten gucken zu lassen.

120 Wölfe bei uns im Landkreis?

Die „Pro-Wolfer“, derart abschätzig werden alle genannt, die nicht ihrer Ansicht sind, „werfen uns vor, am Rotkäppchen-Syndrom zu leiden“, sagt die Lehrerin. Aber wie recht Rotkäppchen mit ihrer Furcht vor dem Wolf hatte, will sie den Gleichgesinnten beweisen. Immerhin schon neun Menschen starben nach ihrer Zählung in den vergangenen 50 Jahren nach Wolfsangriffen. „Und jetzt soll Deutschland“, ruft sie in den Raum, „Verbreitungsschwerpunkt des Wolfes in Europa werden.“ Und sie zählt weiter auf: Ein Rudel mit rund zehn Tieren beanspruche im Schnitt 250 Quadratkilometer für sich, damit böte der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte wohl Platz für ein Dutzend Rudel. „120 Wölfe allein in diesem Kreis“, schaudert es die Referentin und der besseren Anschauung wegen „wirft“ sie ein Bild an die Leinwand. „Willkommen, Wolf“, heißt es dort und daneben liegt eine tote Kuh.

Leider, leider, heißt es denn weiter, würden die „Pro-Wolfer“ beim Bund für Umwelt und Natur in Deutschland (BUND) oder beim Nabu, dem Naturschutz-Bund, schon beginnen, Kinder zeitig zu indoktrinieren. „Schon in den Kitas“, beklagt sich die Neubrandenburgerin, „beginnt man damit, die Kleinen auf die Lehren der Wolfsfreunde einzuschwören“. Man erzähle ihnen, die Natur benötige die Wölfe unbedingt und die alten Geschichten seien alles Märchen. „Rotkäppchen lügt“, behauptet man alles Ernstes, hadert die Referentin mit der Gesellschaft.

Der Wolf als Täter nicht auszuschließen

Und zum Schluss doch wieder die Zeitung, dieses Mal aber nicht der Nordkurier. Steffi Jahnke zückt ein Blatt aus Brandenburg und hält allen eine Geschichte aus der südlichen Uckermark vor die Gesichter. Zu lesen die Geschichte eines tapferen Dackels, den sein Herrchen, ein Förster aus Angermünde, aus den Klauen und Fängen eines grauen Räubers rettet. Schwer verletzt, kann der Vierbeiner nur mit einer Notoperation gerettet werden – traut sich jetzt allerdings nicht mehr vom Hof. Allerdings verschweigt die Neubrandenburgerin, dass auch in dem Artikel niemand allen Ernstes behauptet, ein Wolf hätte sich des Jagdhundes bemächtigt. Der staatlich bestellte Rissgutachter aus Brandenburg sagte lediglich, ein Wolf könne als „Täter“ nicht ausgeschlossen werden.

Ach, was. Die Referentin sagte vorher schon, eine neue „Masche“ der „Pro-Wolfer“ in den Naturschutzorganisationen wäre es, immer wieder wildernde Hunde als die Schuldigen zu benennen. „Bloß nicht Wölfe“, schüttelt die Pferdesport-Enthusiastin mit dem Kopf.

 

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Kommentare (5)

Es ist zur Zeit so, dass kein Schäfer oder Pferdebesitzer (übergriffe auf Pferde sind keine belgegt) auf seinen Kosten sitzen Bleibt. Wie bei Biltzschlag gibt es versicherungen. Es ist auch sinnig einige etwas nüchternere Schäfer wie Frank Neumann zu Wort kommen zu lassen. Neumann hat sich Herdenschutzhunde zugelegt und seit dem wurde kein Schaf mehr gerissen. Die Herdenschutzhunde gibt es sogar zum Verleien. Das will natürlich Herr Steibnerg nicht hören, denn sein selbst erklärtes Ziel ist ja, Zitat: "Ich ruhe erst wenn es in deuschland keinen einzigen Wolf mehr gibt". Ganz gewiss sollte man ein Raubtier wie den Wolf nicht unterschätzen. Da es aber in Europa (ganz zu schweige in Deutschland wo es den Wolf auch seit 10 Jahren gibt) weder Übergriffe auf den Menschen noch nennenswerten wirtschaftlichen Schaden gibt sollte man die Lage etwas nüchterner beurtelen. Es kommt auf die Populationsdichte an. Viele Wölfe sterben im Strassenverkehr (50 in den letzten Jahren) oder werden illegal geschossen (12 in den letzten Jahren). Von einer Plage kann man wirklich noch nciht sprechen. Unsere Nachbarländer zeigen das eine koexistenz möglich ist, wenn man sich einwenig darauf einstellt. Wenn sich natürlich kein Jäger oder Viehlater auch nur ein wenig ändern möchte muss man den Wolf wieder abschiessen. moralische Pflich Mit Gefahr für Leib und Seele und der daraus abzuleitenden moralischen Pflicht zu kommen halte ich für schwierig Frau Jahnke. Zur Zeit ist es aber so, dass sowohl beim Reitsport als auch der Jadt jährlich deutlich mehr Personen zu Tode kommen als durch den Wolf. Nach ihren Vorderungen müsste man dies alles Verbieten. Ich würde für ein konsequentes unabhängiges Monitoring der Wolfspopulation und seiner Beute plädieren. Wir haben keine gesicherten Daten selbst über die Schalfenwildbestände.

Hier geht es doch, ob überhaupt der Wolf in dem dicht besiedelten Land Deutschland,eine Daseinsberechtigung hat. Da sage ich eindeutig nein. Es ist wieder einmal so,dass Umwelt u. Tierfanatiker,die überwiegend nicht auf dem Lande wohnen der schweigenden Mehrheit ihre Lieblingsprojekte mit ihrer politischen Lobby übergestülpt haben. Es gibt fast kein Tier mehr,dass nicht geschützt ist. Ganze Bauvorhaben,werden zurückgestellt,nur weil dort angeblich ein Vogel pp brütet. Da mit Unterstützung der Politiker,der Wolf hier angesiedelt worden ist,müssen auch diese dafür Sorge tragen,dass dieses Tier keinen Schaden anrichten. Es kann doch nicht sein,dass die Geschädigten aus eigener Tasche Zäune und Wachhunde anschaffen müssen. Nein,diese Gruppen,die für die Ansiedlung sind,müssten die Schäden ersetzen und nicht wieder der Steuerzahler. Ich bin auch dafür,dass der Wolf bejagt werden darf.

Die Killerstatistik des Wolfes ist schon beeindruckend. 9 Mernschen in 50 Jahren. Macht pro Jahr 0,18 Menschen. Rotkäppchen sollte besser nicht in den Stall gehen. Denn allein 2010 starben 7 Menschen durch Großvieh. Wo bleibt das Bündnis gegen das Großvieh? ;-)

Ups, ich vergaß zu erwähnen, die Zahl von 2010 bezog sich nur auf Deutschland. Weltweit dürfte das Killerpotential von Großvieh wesentlich höher sein... ;-)

Als Pferdehalterin würde ich mich mit Todesopfer durch Tiere deutlich zurückhalten. In Deutschland sterben rund 23 Menschen im Jahr an Pferdeunfällen. Pro Monat 2 Tote. Würde nur 1 Toter im Jahr durch den Wolf zu beklagen sein, würden hier mittelalterliche Zustände herrschen, die eine flächendeckende Ausrottung des Wolfes zur Folge hätte. Unterm Strich geht es doch einzig um persönliche wirtschaftliche interessen, die im Moment einige landwirtschaftliche Unternehmer auf die Anti-Wolf Bühne rufen. Und das obwohl für Verluste durch den Wolf entschädigt wird. Davon hätten unsere Greifvogelopfer nur träumen können. Die Dummheit der Menschen stirbt leider nie aus. Biologische Zusammenhänge von Wolf und Wild, den Nutzen der Natur durch die Rückkehr des Wolfes und den daraus resultierenden Gewinn für eine intakte Natur erschließt sich einigen verbohrten Wolfshassern leider nicht. Dabei wäre es so einfach. 15 Jahre Wolf in Deutschland beweist die Sinnhaftigkeit des Wolfes schon recht eindrucksvoll. Wer glaubt, dass es sich bei der Geschichte des Rotkäppchens nicht um ein Märchen handelt, sondern offensichtlich um einen Tatsachenbricht, der sollte seine Berufung als Lehrerin allerdings noch einnmal überdenken.