Nach der Rücktritts-Ankündigung:

Wollen Sie in Malchow bleiben, Herr Stein?

Der Wechsel im Malchower Rathaus ist eingeleitet – von Malchows Bürgermeister Joachim Stein (Grüne), als er den Termin seines Ausscheidens bekannt gab. Reporterin Petra Konermann hat mit ihm über den Amtswechsel und seine eigene Zukunft gesprochen.

Joachim Stein (Grüne) scheidet im Juli 2015 nach dann 23 Jahren aus dem Amt des Bürgermeisters.
Petra Konermann Joachim Stein (Grüne) scheidet im Juli 2015 nach dann 23 Jahren aus dem Amt des Bürgermeisters.

Sie haben den 7. Juli 2015 als Tag Ihres Rücktritts vom Bürgermeister-Amt genannt. Ist das ein Geschenk, das Sie sich zu Ihrem 68. Geburtstag selbst machen?

Nein, das hat damit gar nichts zu tun.

Warum aber gerade dieses Datum?

Am 6. Juli 2015 bin ich genau 23 Jahre im Amt. Ich wollte das letzte Jahr vollmachen. Das ist der eine Grund.

Und der andere?

Ich möchte, dass ein guter Übergang möglich ist. Es gibt noch wichtige Entscheidungen zu treffen, viele Themen, die angegangen werden müssen.

Als Sie nach der Kommunal-Wahl Ihren Rücktritt angekündigt haben, gab es die Kritik, dass Sie einfach hinschmeißen, nur weil Ihnen die Mehrheitsverhältnisse in der neuen Stadtvertretung nicht passen. Richtig?

Das kann man so sehen. Ich nicht. Der Grund für meinen Rücktritt ist vielmehr die Art und Weise, wie jetzt die Auseinandersetzungen in Malchow geführt werden.

In einer Demokratie ist es doch normal und auch erforderlich, dass Themen kontrovers diskutiert werden, dass nicht immer Kuschelkurs gefahren werden kann...

Das ist richtig und es war in Malchow schon immer so, dass um viele Themen hart gestritten wurde. Ich erinnere an den Bau des Stadthafens. Die Qualität der Auseinandersetzungen ist heute aber eine andere als noch vor zehn Jahren. Heute muss ich mir Beleidigungen und Anschuldigungen gefallen lassen. Es gab Angriffe auf meine Person, auch auf meine Lebensgefährtin. Das habe ich lange ausgehalten, vielleicht zu lange.

Ihre Lebensgefährtin, Heike Hellmann, ist Leiterin des Amtes Zentrale Dienste. Sie hat gekündigt und verlässt wie Sie selbst die Stadtverwaltung. Kann da von einem guten Übergang die Rede sein?

Sie haben Recht, das macht mir Sorgen. Aber die Angriffe auch auf Frau Hellmann wären sicherlich nicht weniger geworden. Und es ist natürlich schwer für eine Verwaltung, gleich zwei wichtige Posten neu besetzen zu müssen. Das wird eine Herausforderung sein, keine Frage. 

Sie sprachen von wichtigen Entscheidungen, die anstehen. Welche sind das?

Der Verkauf des Pollmeier-Werkes hat noch immer nicht geklappt. Um die Firma Ziems steht es nicht gut. Auch darum muss eine Stadt sich kümmern, damit wir wirtschaftlich nicht aufs Abstellgleis geraten. Das Kurgebiet Malchow soll gestaltet werden, die Erweiterung der Fleesensee-Schule ist geplant, die Klostersanierung ist wichtig. Das will ich in der verbleibenden Zeit weiter anpacken.

Wie stellen Sie sich Ihren Nachfolger im Amt vor?

Ich wünsche mir einen Bürgermeister, für den das Amt Berufung ist, der aber gleichzeitig die fachlichen Voraussetzungen mitbringt. Als ich 1992 ins Amt kam, war ich Lernender und hatte Zeit, in das Amt hineinzuwachsen. Die Zeit hat ein Bürgermeister, eine Bürgermeisterin heute nicht mehr, er oder sie muss vom ersten Tag an fit sein. Er darf keine Weide im Wind sein, sondern muss Rückgrat besitzen.

Was kommt für Sie nach Ihrer Zeit als Bürgermeister?

Ich kümmere mich um die Dinge, um die ich mich in den letzten Jahren zu wenig gekümmert habe, um meine Familie und ja – auch um mich.

Aber Sie bleiben Malchower?

Das ist eine Frage, die mir ganz oft gestellt wird. Meine Vorfahren leben seit rund 200 Jahren hier, waren Bürgermeister wie ich oder auch Senatoren, und ich habe natürlich eine ganz enge Bindung an Malchow. Aber ehrlich: Wir haben schon darüber nachgedacht, die Tür zuzumachen und woanders hinzugehen.

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