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Ziegel-Vielfalt im dicken Katalog versammelt

Ein Puzzle und eine Kirchensanierung haben mehr gemeinsam, als es auf den ersten Blick scheint – zumindest die anstehenden Restaurierungsarbeiten an der Malchower Klosterkirche. Denn bevor es mit den eigentlichen Arbeiten losgehen kann, musste ein Katalog zu jeden einzelnen kaputten Ziegelstein erstellt werden.

Loch an Loch und hält irgendwie doch: Hoch oben offenbart die Fassade der Klosterkirche an fast jeder Stelle Schäden. Das kaputte Mauerwerk hebt sich ab vom Klosterkirchturm, dessen Außenhülle bereits saniert wurde.
Petra Konermann Loch an Loch und hält irgendwie doch: Hoch oben offenbart die Fassade der Klosterkirche an fast jeder Stelle Schäden. Das kaputte Mauerwerk hebt sich ab vom Klosterkirchturm, dessen Außenhülle bereits saniert wurde.

So dick wie ein Telefonbuch – wohlgemerkt wie das Berliner Telefonbuch –  ist der Katalog, in dem Architekt Rainer Autzen und seine Mitarbeiter die schadhaften Steine im Mauerwerk der Malchower Klosterkirche aufgelistet haben. Jeder der rund 3500 Steine, die durch neue ersetzt werden müssen, sind auf den Seiten zu finden. Und jeder ist einer der rund 130 verschiedenen Ziegelformen zugeordnet, die in dem Mauerwerk verbaut wurden. 

„Nur wenn wir genau wissen, welche Steine an welchen Stellen ersetzt werden müssen, können wir einen entsprechenden Auftrag an die Ziegeleien vergeben“, erklärt Architekt Rainer Autzen, der seit Jahren die Sanierung der Klosterkirche begleitet. Vor kurzem erst wurde die Außenhülle des Klosterkirchturms saniert (der Nordkurier berichtete). Nun laufen die Vorbereitungen für die Sanierung des seit Langem schadhaften Mauerwerkes des Kirchenschiffes und des Daches. Ein riesiges Gerüst umhüllt seit dem Sommer die Kirche und ermöglichte es dem Architekten, sich das Mauerwerk der rund 150 Jahre alten Kirche endlich aus der Nähe anzusehen und genau die Ziegelsteine zu erfassen, die schadhaft sind und die nun in dem Katalog versammelt sind.

Der aber ist nur ein Schritt zur Auftragsvergabe an die Ziegeleien. Die benötigen auch noch Originalsteine, nach denen die Ziegelformen gebaut werden können. Das bedeutet: 130 verschiedene Steine, die als Vorlage dienen sollen, müssen aus dem Mauerwerk herausgelöst werden. Und das ist eine heikle Angelegenheit. „Steine aus der Fassade herauszunehmen, ist an vielen Stellen gar nicht so einfach und birgt die Gefahr, dass ganze Teile der Außenhülle herunterfallen. Das muss unbedingt vermieden werden“, macht Architekt Autzen deutlich. Um also an die Steine zu gelangen, müssen zum Beispiel Fassadenteile abgetragen werden. Ein Geduldspiel, das viel Fingerspitzengefühl und vor allem Ordnungssinn erfordert. Denn nicht alle Steine werden erneuert, viele werden während der Sanierung auch wieder verwendet.  „Jeder Stein hat seinen Platz und soll ihn auch behalten“, unterstreicht Autzen.

Er rechnet damit, dass zu Beginn des Jahres 2014 die eigens für die Malchower Klosterkirche gebrannten Ziegel geliefert werden. „Wir müssen aber auf eine entsprechende Witterung warten, um die Ziegel verbauen zu können. Denn wir verwenden beim Vermauern der Steine auch Muschelkalk. Damit der richtig abbinden kann, muss es mindestens eine Woche lang frostfrei sein“, erklärt Architekt Rainer Autzen, warum die Sanierungsarbeiten an der Klosterkirche wohl weit in das Jahr 2014 hineinreichen werden. Auf rund 850 000 Euro belaufen sich die Gesamtkosten für die Sanierungsarbeiten. Finanziert werden die zum großen Teil aus Städtebaufördermitteln. Parallel zu den Fassadenarbeiten werden auch die Erneuerungen der Außenanlagen rund um das historische Gebäude vorgenommen.

Diese Umfeld-Gestaltung waren übrigens der Auslöser dafür, dass die Fassade überhaupt in den Fokus der Fachleute geriet. Denn die Außenhülle war so bröckelig, dass es für Menschen zu gefährlich war, sich in die Nähe Kirche aufzuhalten – an gärtnerische Arbeiten war nicht zu denken.