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Zwei Frauen machen Männern in der Awo-Affäre Dampf

Kaum aus dem komfortablen Dienstwagen ausgestiegen, wurde die Sozialministerin bei ihrem Besuch in Möllenhagen mit der rauen politischen Realität konfrontiert. Und die ist in diesen Wahlkampfwochen immer wieder mit den Stolpersteinen der Awo-Affäre gepflastert.

Unterstützung aus der Landesregierung: SPD-Ministerin Birgit Hesse (rechts) und Simone Ehlert, neue Awo-Müritz-Geschäftsführerin, beim gemeinsamen Gespräch. 
Andreas Becker Unterstützung aus der Landesregierung: SPD-Ministerin Birgit Hesse (rechts) und Simone Ehlert, neue Awo-Müritz-Geschäftsführerin, beim gemeinsamen Gespräch. 

Schlank, durch trainiert, braun gebrannt, dynamisch, gut gelaunt – und inhaltlich bestens präpariert: Birgit Hesse musste an diesem eher herbstlich anmutenden Augustmorgen gar nicht groß gefragt werden, sie ging vor Awo-Geschäftsführerin Simone Ehlert, Kreis-Sozialdezernent Michael Löffler (SPD), Möllenhagens Bürgermeister Thomas Diener (CDU) und der heimischen SPD-Landtagsabgeordneten Dagmar Kaselitz gleich in die Offensive.

„Da gibt es überhaupt keinen Zweifel, die Awo-Affäre muss lückenlos aufgeklärt werden. Die Verantwortlichen müssen für ihre Verfehlungen zur Rechenschaft gezogen werden.“ Rumms. So deutlich hatte es in den vergangenen vier Wochen noch kein SPD-Genosse formuliert – bisher stand bei Ex-Awo-Müritz-Geschäftsführer Peter Olijnyk, Ex-Vorstandschef Götz-Peter Lohmann und Awo-Landeschef Rudolf Borchert (alle SPD) rigides Schweigen und gepflegtes Abtauchen auf der Tagesordnung. „Das hilft nicht. Da muss man die Flucht nach vorne ergreifen“, hat die Ministerin erkannt und kein Verständnis, dass sich ihr sozialdemokratischer Parteifreund Borchert, seit Jahren Landtagsabgeordneter aus und für Waren, mit Beginn der Awo-Affäre noch nicht einmal in der Geschäftsstelle auf dem Mühlenberg in Waren blicken ließ.

Awo-Landeschef Borchert hat sich nicht einmal sehen lassen

Simone Ehlert, seit kurzer Zeit neue Geschäftsführerin der Awo Müritz, nickte zustimmend: „Nein, Herr Borchert hat nicht einmal Kontakt aufgenommen beziehungsweise sich sehen lassen.“ Während die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg gegen Olijnyk und Lohmann wegen des Verdachts der Untreue ermittelt, heißt es aus Awo-Kreisen immer wieder, dass Borchert seit geraumer Zeit von den Machenschaften seiner jahrzehntelangen politischen Weggefährten gewusst habe. Ob Borchert im Amt des Awo-Landeschefs noch tragbar ist? Viele an der Awo-Basis äußern Zweifel, sind mächtig sauer auf Borchert. „Und um diese einfachen Awo-Mitglieder und -Mitarbeiter tut es mir sehr leid. Sie leisten hervorragende Arbeit, müssen jetzt den von der Awo-Führung ausgelösten Imageschaden über Jahre ausbaden. Das tut weh“, brach Ehlert eine Lanze für das tägliche Engagement in den Awo-Einrichtungen in der Müritzregion. Sie versprach, künftig offener zu kommunizieren und keine einsamen Entscheidungen im stillen Kämmerlein zu treffen.