Schreckliches Unglück im Warener Hafen:

Zwei Jugendliche vermutlich durch Gas vergiftet

Auf einem Boot in unmittelbarer Nähe der Kaimauer sind in der Nacht zu Sonnabend zwei Personen im Alter von 19 und 17 Jahren tot aufgefunden worden. Zwei weitere Jugendliche im Alter von 18 und 17 wurden schwer verletzt in die Krankenhäuser gebracht. Das Unglück erschüttert die gesamte Region.

Rettungskräfte und Mordkommission im Einsatz auf dem Unglücksboot: Aufgrund des Gasaustritts und der beengten Verhältnisse vor Ort war es schwierig, die Leichen der beiden Jugendlichen zu bergen.
Andreas Becker Rettungskräfte und Mordkommission im Einsatz auf dem Unglücksboot: Aufgrund des Gasaustritts und der beengten Verhältnisse vor Ort war es schwierig, die Leichen der beiden Jugendlichen zu bergen.

Die genaue Ursache des Unglücks ist noch unklar. Polizei und Feuerwehren gehen aber von einer Kohlenmonoxid-Vergiftung aus. Die Feuerwehr habe Kohlenmonoxid und Propangas in sehr hoher Konzentration auf dem Boot gemessen, erklärte ein Feuerwehrsprecher. Kohlenmonoxid ist ein farb- und geruchloses Gas. Wird es eingeatmet, kann es innerhalb von Minuten die Sauerstoffversorgung blockieren und zum Tod führen. Durch die Gaskonzentration war der Einsatz der Rettungskräfte sehr gefährlich gewesen, es hatte Explosionsgefahr bestanden. Die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg will erst am Montag entscheiden, ob Rechtsmediziner die Opfer obduzieren sollen, wie die Polizeisprecherin erklärte.

Eltern machten die grausige Entdeckung

Nach bisherigen Ermittlungen wollten die jungen Männer aus der Müritz-Region auf dem Kajütboot im belebten Stadthafen feiern. In Waren gab es wegen des letzten Schultags am Freitag Schulabschlussfeiern der Abiturienten. Die Eltern des 19-Jährigen hatten tagsüber mehrfach vergeblich versucht, ihren Sohn telefonisch zu erreichen. Weil sie das ungewöhnlich fanden, fuhren sie zum Hafen - und machten dort den schrecklichen Fund. Einer der Toten war unten im Schlafraum gefunden worden, der andere auf der Brücke. Untersucht wird, warum keiner der vier Jugendlichen eine Tür öffnete und frische Luft hereinließ.

Die Familienangehörigen der vier Jugendlichen wurden unmittelbar nach Eintreffen der Rettungskräfte am Unglücksort von Notfallseelsorgern und geschulten Polizeibeamten betreut. Im Verlauf des Sonnabends - sofern dies möglich ist - sollen die Familienangehörigen von der Polizei befragt werden, um den Ablauf der Stunden vor dem Unglück möglichst gut zu rekonstruieren.

Warens Bürgermeister Norbert Möller war am frühen Sonnabendmorgen sofort an den Unglücksort geeilt, um sich die schrecklichen Geschehnisse aus der Nacht schildern zu lassen. Möller zeigte sich tief betroffen und sprach den Angehörigen der Opfer das tiefe Mitgefühl der Stadt aus. Der Bürgermeister zeigte sich sehr einverstanden, dass die Organisatoren des für Sonnabend geplanten Autofrühlings - der nur wenige Meter vom Unglücksort stattfinden sollte – zu der einvernehmlichen Lösung gekommen waren, die Veranstaltung abzusagen. „Wir können als Stadt nicht feiern, wenn ein solch tragisches Unglück passiert ist“, sagte Möller. Und auch für die Absage der Langen Einkaufsnacht hatte der Bürgermeister volles Verständnis. In dem Zusammenhang sicherte Möller den Veranstaltern die Unterstützung der Stadt zu, wenn Autofrühling und Lange Einkaufsnacht zeitnah neu terminiert werden sollen.

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