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Müssen wir im Krankenhaus bald Schlange stehen?

VonRobert KieselLange Wartezeiten, verschobene Termine: Auf dem flachen Land sorgt der Mangel an Ärztenachwuchs schon länger für Ärger. Nun funkt auch der ...

[KT_BU]Gerade in der Notaufnahme geht es oft Schlag auf Schlag. Ein Mangel an Ärzten kann hier gefährlich werden.   FOTO: Emily Wabitsch

VonRobert Kiesel

Lange Wartezeiten, verschobene Termine: Auf dem flachen Land sorgt der Mangel an Ärztenachwuchs schon länger für Ärger. Nun funkt auch der Verband der Krankenhäuser SOS.

Neubrandenburg/Prenzlau.Die Krankenhäuser haben zunehmend Probleme damit, vakante Ärztestellen zu besetzen. Landesweit sind 180 Stellen unbesetzt, 100 davon für Assistenz-, die übrigen 80 für Chef- und Oberärzte. Überbringer dieser aus Patientensicht besorgniserregenden Nachricht ist mit Wolfgang Gagzow der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern. Zugleich teilte er mit, dass sich der Ärztemangel „defintiv nicht auf die Versorgung der Patienten auswirkt.“
Versorgungsprobleme seien „Einzelfälle“, zudem sei der Mangel an medizinischem Personal „nicht über uns hereingebrochen“, sondern schon länger bekannt.
Gegen eine Dramatisierung wehrt sich auch Johannes Hallauer, Ärztlicher Direktor des Dietrich-Bonhoeffer-Klinikums in Neubrandenburg. Zwar seien auch am Klinikum Ärztestellen unbesetzt, „die Quote liegt aber unter 5 Prozent, erst bei 20Prozent wird es gefährlich.“ Gerade bei Fach- und Oberärzten dauere es „mitunter einige Monate“, ehe offene Stellen neu besetzt werden könnten. Bei Assistenzärzten sei der Zulauf größer. Eine der Hauptursachen für die Besetzungsprobleme sieht Hallauer in der Vereinbarkeit von Arbeitsort und Familie. Viele Bewerber hätten Lebenspartner, die nur schwer einen qualifizierten Arbeitsplatz in der Region fänden. Ähnlich sieht das auch Ruth Radmann von der Asklepios Klinik in Pasewalk. „Lägen wir irgendwo in Randberlin, hätten wir weniger Probleme“, sagte die Ärztliche Direktorin der Klinik. So aber müsse schon mal zwei bis drei Monate gewartet werden, ehe freie Stellen besetzt werden. Momentan seien aber alle Planstellen besetzt.
Auf einen positiven Nebeneffekt des Ärztemangels verweist Andreas Gericke, Sprecher der GLG Klinik in Prenzlau. „Wir besetzen immer wieder Stellen mit polnischen Ärzten, das klappt gut“, so Gericke. Offene Stellen gebe es daher nur „punktuell“. Und auch andere Häuser reagieren auf diese Weise. In der Augenklinik Neubrandenburg kommen fast alle Assistenzärzte aus Polen, Griechenland und Ungarn.

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