Feldpost aus Kunduz:

Am Bahnhof „Lummerland“ in Kunduz

400 Bundeswehrsoldaten des Panzergrenadierbataillons 401 in Hagenow wurden in den vergangenen Wochen nach Afghanistan verlegt. Für unsere Zeitung berichten Hagenower von ihrem Einsatz.

Ein Soldat nahe Kunduz in Afghanistan
dapd Ein Soldat nahe Kunduz in Afghanistan

Es ist Ende Juli und wir sind fast alle in Kunduz, nur Wenige fehlen noch, haben die Anreise noch vor sich. Erst der Schmerz der Verabschiedung von seinen Lieben in der Heimat, danach Zwischenstopps mit Übernachtung in Zelten, an Orten, die, wenn man ehrlich ist, nur die Wenigsten kannten. Außer, durch vorherige Einsätze natürlich. Aber spätestens innerhalb von vier Tagen hat es dann doch jeder an den Bestimmungsort geschafft. Für die, die zum ersten Mal in Kunduz sind, ist die Ankunft schon sehr spannend, denn wer erlebt schon mal einen gewollten „Absturz“, um mit der schweren Transall auf der kurzen Landebahn gleich hinter dem Gebirgszug zu landen. Steigt man über die Transportrampe aus dem Flieger aus, wird man als nächstes von der Hitze fast erdrückt. Kein Wunder bei 40 Grad und mehr. Es folgen die Eindrücke der Natur: Sand, Steine, Staub und nicht zu vergessen die Berge.

Sofort geht es ins Feldlager, wo jeder vom Spieß, der Mutter der Kompanie, am Bahnhof „Lummerland“ in Empfang genommen wird. Nach kurzer Einweisung bekommt jeder seine Unterkunft zugewiesen und es beantwortet sich die Frage, ob ich vorübergehend für den Kontingentwechselzeitraum im Zelt, im Wohncontainer oder doch schon im Gebäude untergebracht bin.

Stundenlanger Belehrungsmarathon

Egal wie es einen trifft, jeder kennt diese Umstände, und diese sind nicht anders als die Unterkünfte auf Übungsplätzen. Später werden sich die Stubengemeinschaften, meist zwei, egal ob Gefreite oder Offiziere, die Stuben versuchen gemütlich zu gestalten. Da werden Fotos an den Wänden angebracht, Mitbringsel und kleine Geschenke aus der Heimat aufgestellt. Nicht zu vergessen die privat mitgebrachte Bettwäsche, an der so viele als Stück von zu Hause hängen.

Ist die Unterkunft bezogen, auch schon hoffentlich mit dem vorab verschickten Gepäck aus Deutschland, beginnt ein Belehrungsmarathon schlechthin. Vier und mehr Stunden sitzt man in den Veranstaltungen, wo man doch damit beschäftigt ist, die unzählig vielen Eindrücke z.B. vom Lager oder von den Erzählungen der Kameraden, die schon bald in die Heimat zurückkehren, zu verarbeiten.

Anlaufpunkte: die „MUBUKU“ und der „Verticker“

Die obligatorische „Einführungsrunde“ darf natürlich auch nicht fehlen, ist sie doch mit am wichtigsten, damit man schnell weiß, wo man wegen was hin muss. Verwirrt im Lager umherlaufen ist bei den Temperaturen und der brennenden, grellen Sonne nicht ratsam. In relativ kurzer Zeit hat man aber herausbekommen, welche Wege sich tatsächlich lohnen. Die „MUBUKU“, die Mucki-Bude-Kunduz oder der „Verticker“, ein kleiner Einkaufsladen, sind hierbei garantierte Anlaufpunkte.

Mittlerweile haben wir als Verband die Aufgaben von unseren Vorgängern übernommen. Schön ist zu sehen, dass alle mit großem Engagement und Professionalität an die Herausforderungen herangehen und die Einsatztruppe zusammenwächst. Hierbei sollte erwähnt sein, dass wir Panzergrenadiere zwar den Großteil der Partnering und Advisoring Unit stellen, aber darüber hinaus auch von Personal aus Standorten in ganz Deutschland unterstützt werden. Und eben deshalb ist dieses schnelle Gemeinschaftsgefühl besonders wichtig. Willkommen in Kunduz!