Kinder von Kamp:

Erstmals öffentliche Gedenkveranstaltung

Nach wie vor bewegt das Schicksal der rund 70 deutschen Kinder, die am 5. März 1945 im Kamper See beim Absturz einer Dornier 24 starben, die Menschen auf polnischer wie deutscher Seite. 67 Jahre danach soll es am ehemaligen Fliegerhorst erstmals eine öffentliche Gedenkveranstaltung geben.

Wrack-Ortung

Mit einer guten Nachricht kann Zdiszlaw Matusiewicz, Bürgermeister von Treptow und Initiator der Hebung der am 5. März 1945 abgestürzten Dornier, zur Gedenkveranstaltung am kommenden Montag aufwarten. Die erste Etappe der Bergung der Unglücksmaschine ist absolviert. Das Wrack, das tief in den Schlamm des Sees eingesunken ist, konnte durch eine Messung mit Hilfe von Radarstrahlen genau geortet werden. Von Vorteil: Der Kamper See war zum Zeitpunkt der Messung zugefroren, so dass die beauftragte Firma keine Boote benötigte, was die Kosten verringerte.

Anfang März 1945 wurden über eine Luftbrücke vom Kamper See aus Tausende Kinder und Familien, darunter viele Vertriebene, nach Rügen und Wollin ausgeflogen, nachdem die Rote Armee bereits vor den Toren Kolbergs stand. Nach dem Beschuss durch zwei sowjetische Panzer stürzte eines der Wasserflugzeuge des Typs Dornier 24 ab. Das Wrack liegt etwa 800 Meter vom Ufer entfernt, ergaben jetzt die Messungen, so Lukasz Trawinski, Sprecher des Treptower Rathauses. Der Rumpf sei in voller Größe erhalten. Der hintere Teil des Flugzeuges sei bei dem Absturz allerdings abgebrochen. Der genaue Bericht über die GPR-Messung soll Ende März vorliegen, dann könnten auch die Kosten für die Bergung genauer beziffert werden, sagte Trawinski.

Durch Spenden finanziert

Jan Bach vom Grenzland-Verein Pomeraniak, der das Projekt Flugzeug-Hebung begleitet, freut sich jedenfalls schon mal, dass die Kosten für die Einmessung des Flugzeug-Wracks weit unter der ursprünglich geschätzten Summe liegen. Und, noch besser: Die Rechnung kann mit Hilfe einer ersten größeren Spende bestritten werden. Der Unternehmer Anton Häring, der in Bubsheim in Baden-Württemberg eine Firma für Präzisionstechnik führt, hat die Geschichte der Kinder von Kamp gelesen und sich daraufhin mit Jan Bach in Kontakt gesetzt. Spontan habe sich Häring ins Privatflugzeug gesetzt und den Kamper See in Augenschein genommen. Daraufhin habe er eine Spende in Höhe von 3600 Euro zugesagt. Neben dem Stammwerk in Deutschland und einer Firma in China betreibt Häring auch ein Werk im polnischen Piotrków Trybunalski mit 1200 Beschäftigten.

Die Gedenkfeier für die Opfer des Unglücks am 5. März beginnt um 14 Uhr am Hangar des ehemaligen Fliegerhorstes am Kamper See. Im Anschluss wird es eine Ökumenische Andacht mit polnischen und deutschen Geistlichen geben, sagte Jan Bach. Auch 25 Schüler aus Pasewalk werden bei der Gedenkveranstaltung mit dabei sein, gemeinsam mit Mädchen und Jungen aus der Partnerschule in Police gestalten sie das Programm, sagte Norbert Haack, Leiter der Pasewalker Regionalschule „Arnold Zweig“. Die Europaschule kooperiert seit mehreren Jahren mit den Policern.