Kinder von Kamp:

Keine Hoffnung für die „Kinder von Kamp“

Das deutsch-polnische Projekt zur Hebung einer Dornier 24 ist ins Stocken geraten. Und das, obwohl ein Geldgeber in Sicht ist. Noch ist unklar, ob Spendengelder veruntreut wurden.

Dornier 24

 Lange Gesichter nach der Sitzung der Arbeitsgruppe des Projektes „Kinder von Kamp“. Nach strittiger Diskussion ist derzeit völlig unklar, wann die Dornier 24, die am 5. März 1945 mit mehr als 70 Insassen an Bord in den Kamper See gestürzt war, gehoben wird. Ja, es kann derzeit auch nicht ausgeschlossen werden, dass das Wrack samt der Überbleibsel der Leichen für immer im schlammigen Boden des Gewässers nahe der westpommerschen Stadt Treptow an der Rega (Trzebiatów) ruht.

„Unsere Hoffnungen, das Flugzeug in ein, zwei Jahren zu heben, erwiesen sich als zu optimistisch“, sagte Bürgermeister Zdzislaw Matusewicz. Er erklärte, dass das Vorhaben auf neue Füße gestellt werden müsse. So könne die Stadtverwaltung nicht mehr als Initiator des Projekts auftreten. Er habe zusammen mit anderen Bürgern, die sich für die „Kinder von Kamp“ einsetzen, einen Verein gegründet, der künftig unter anderem auch als Partner des Volksbundes deutsche Kriegsgräberfürsorge fungieren soll. Die Genehmigung des Vereins durch das zuständige polnische Gericht stehe allerdings noch aus.

Matusewicz bestätigte die Probleme, die es seit einigen Monaten mit dem deutsch-polnischen Grenzland-Verein Pomeraniak gebe, der zu den Initiatoren des Projekts „Kinder von Kamp“ gehörte. Pomeraniak verwaltet unter anderem das Spendenkonto und betreute die Internetseite. Er selbst werde im März an der Mitgliederversammlung teilnehmen und auch nach dem Verbleib der bereits eingegangenen Spendengelder fragen, sagte Matusewicz. Voraussetzungen für das Gelingen des Vorhabens seien „Klarheit und Sauberkeit des Projektes“. Und: Jedes Gerücht zum Thema Spendengelder müsse aufgeklärt werden. Die Buchführung des Pomeraniak-Vereins werde durch das Finanzamt Pasewalk überprüft, um eventuelle Betrugsverdächtigungen auszuschließen. Die Internetseite solle in Regie des Rathauses Treptow so schnell wie möglich wieder online gehen.

Zuvor hatte bereits Wolfram Althoff, Sonderbeauftragter des Volksbundes, den Pomeraniak-Verein für dessen Unzuverlässigkeit kritisiert und jegliche weitere Zusammenarbeit ausgeschlossen (der Nordkurier berichtete). Ein Vertreter des Vereins war gestern nicht in Treptow dabei. Inwieweit der Volksbund, der die Exhuminierung der Leichen und die Überführung auf einen Friedhof übernehmen würde, sich weiter bei der Vorbereitung der Hebung engagiert, sei noch unklar, so Althoff. Normalerweise kooperiere der Volksbund mit staatlichen Institutionen – also Kommunen – und nicht mit Vereinen. „Ob wir auch mit einem Verein zusammenarbeiten, muss unser Vorstand entscheiden“, sagte Althoff. Unabhängig davon sieht er allerdings die Finanzierung „hoch gefährdet“. „Wenn ein Projekt auf die lange Bank geschoben wird, finden sich erfahrungsgemäß immer weniger Spender und Geldgeber“, sagte er.

Nach ersten Kostenschätzungen könnte die Hebung des Wracks etwa 150 000 Euro kosten. Über diese Summe liegt auch ein Angebot einer polnischen Firma vor. Am Rande des gestrigen Treffens wurde bekannt, dass die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung einen Großteil der Kosten übernehmen würde. Allerdings unter zwei Voraussetzungen: Das Wrack wird noch in diesem Jahr gehoben. Und: Ein Teil der Dornier 24 müsse als Ausstellungsstück für Expositionen der Stiftung zur Verfügung gestellt werden. In der Treptower Verwaltung soll es allerdings Vorbehalte gegen die Stiftung geben. Möglicher Grund: Die Stiftung ist auch federführend beim Aufbau des Vertriebenenzentrums, das in Polen umstritten ist.

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