Kinder von Kamp:

„Kinder von Kamp“ am Scheideweg

Lange Zeit war nichts zu hören von dem deutsch-polnischen Projekt "Kinder von Kamp". Vielleicht auch, weil sich hinter den Kulissen einiger Unmut angestaut hat.

Es schwingt ziemlich viel Ärger mit in Wolfram Althoffs Stimme. Der Sonderbeauftragte des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist aber zugleich nach wie vor entschlossen: „Das Projekt Kinder von Kamp steht am Scheideweg. Entweder das Flugzeugwrack wird dieses Jahr oder gar nicht gehoben.“ Sein Ärger richtet sich insbesondere an den Grenzland-Verein Pomeraniak. Die gemeinnützige Organisation, die sich als Mittler zwischen Deutschland und Polen versteht, hatte sich auch vor das Projekt „Kinder von Kamp“ gespannt. Vorstandsmitglied Jan Bach gehört zusammen mit dem Bürgermeister von Trzebiatów (Treptow an der Rega), Zdzislaw Matusewicz, zu den Initiatoren der Aktion. Die Pomeraniak hatte ein Spendenkonto eröffnet sowie eine Internetseite über das Projekt veröffentlicht. Auch der Nordkurier engagiert sich für das Thema, bewegt es doch zahlreiche Menschen auf polnischer und deutscher Seite. Schließlich kamen in der Dornier, die am 5. März 1945 mit mehr als 70 Passagieren vom Fliegerhorst Kamp abhob, höchstwahrscheinlich auch zahlreiche Kinder ums Leben.

Doch seit Monaten, beklagt Althoff, sei der Kontakt zur Pomeraniak abgerissen. Immer wieder musste er wegen Spendenbescheinigungen intervenieren und bekam keine Antwort. Ihm fehlen zudem sichere Auskünfte über das Spendenkonto. Nach mehrfachem Drängen habe er von Bach zwar eine Liste über das Spendenkonto erhalten. „Mich interessieren aber die Kontobewegungen anhand der Kontoauszüge“, sagt der Mann vom Volksbund. Schließlich, so Althoff, stehe auch die umfangreiche Internetseite nicht mehr im Netz.

Treffen zum 68. Jahrestag des Absturzes

Indes sichert Jan Bach „absolute Transparenz“. zu. Dass er so lange nichts von sich hat hören lassen, hänge mit seiner hohen Arbeitsbelastung zusammen. So arbeitet Bach in zwei Projekten in Kasachstan und in Afrika, für die er wochenlang im Ausland weilte.
Insgesamt, so Bach, seien bislang 16.000 Euro an Spendengeldern eingegangen. Darunter war unter anderem eine Großspende in Höhe von 10.000 Euro aus der Unternehmer-Familie Dornier. Allerdings habe es im Verlaufe des Jahres auch verschiedene Ausgaben gegeben, so dass sich der Kontostand jetzt bei etwa 9.000 Euro bewege. Der Verein sei jederzeit bereit, die Spenden zu übergeben. „Wir können nicht das zentrale Spendenkonto für die Aktion sein“, sagte Bach.

Treptows Bürgermeister Matusewicz will sich derzeit nicht zu den strittigen Fragen äußern. Er verwies auf ein Treffen am Dienstag, dem 68. Jahrestag des Absturzes der Dornier. Dort werde er sich gegenüber Journalisten äußern.

Für Althoff ist das Tischtuch zum Verein Pomeraniak allerdings endgültig zerschnitten. „Das ist für mich kein Partner mehr!“ Er verweist darauf, dass nach wie vor die Genehmigung des Wojewoden von Westpommern für die Hebung des Wracks fehlt. Seiner Kenntnis nach sei noch nicht einmal der Antrag gestellt worden. Hier sieht Althoff die polnische Seite, sprich die Stadtverwaltung von Treptow, in der Pflicht. Die müsse auch die Regie für die Hebung des Wracks übernehmen. „Wir stehen sofort bereit, wenn es um die Exhuminierung möglicher Leichenreste geht“, sagte Althoff, der bei dem morgigen Treffen auch in Treptow dabei sein wird.

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