10 Dinge, die man über den G20-Gipfel wissen sollte

Die Staats- und Regierungschefs der führenden Wirtschaftsmächte treffen sich im australischen Brisbane zum G20-Gipfel.

1. G20 - Was ist das?

Die Gruppe der G20: Das sind 19 Länder und eine Organisation, die Europäische Union. Sie repräsentiert zwei Drittel der Weltbevölkerung und 75% des weltweiten Handels. Die G20 entstand 1999 als Reaktion auf die Finanzkrise in Asien. Zunächst trafen sich die Finanzminister und Vertreter der Zentralbanken. 2008 änderte sich das mit der globalen Finanzkrise nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers. Seither gibt es ein jährliches Treffen auch auf Gipfelebene. Begründung: international enger abgestimmtes Vorgehen zum Wohl der Weltwirtschaft.

2. WARUM SO WEIT WEG - UND WAS BEDEUTET DER GIPFEL FÜR AUSTRALIEN?

Der Vorsitz der G20 rotiert, Australien war einfach dran. Der Gipfel in Brisbane ist nun eines der größten Ereignisse, das Australien jemals organisiert hat. Australien empfängt die G20 erhobenen Hauptes, wächst doch seine Wirtschaft seit 23 Jahren kontinuierlich. Das können aus dem Kreis der G20 nicht wirklich alle von sich sagen.

3. WER IST DER GASTGEBER?

Der australische Premier Tony Abbott. Im Amt seit September 2013. Anthony John Abbott zeichnen eine gewisse Schneidigkeit und ein betont männlich-kraftvolles Auftreten aus. Findet, dass die Natur dem Menschen zu dienen habe (nicht umgekehrt), und bezeichnet Belege für den Klimawandel auch mal als «Mist». Abbott ist glücklich über den G20-Ort Brisbanes (statt Sydney oder Melbourne). Abbott stammt aus Queensland. Hauptstadt von Queensland: Brisbane.

4. WIE IST DENN BRISBANE SO?

Brisbane ist eine junge Stadt. Früher eine Strafkolonie, ist der Ort am gleichnamigen Fluss heute das Industrie- und Finanzzentrum von Queensland. Man ist stolz auf seine zahlreichen Universitäten. Der Ballungsraum zählt zwei Millionen Menschen. Heiß und feucht ist es im November, der noch zum australischen Frühling zählt. Wer hier trotz des subtropischen Klimas Radeln will (und es gibt viele Radwege), muss laut Gesetz einen Helm tragen.

5. WORÜBER WIRD IN BRISBANE AUF DEM GIPFEL GEREDET?

Gedacht sind die G20 als reines Wirtschaftsforum. Weltwirtschaft stärken, Reformen in den Mitgliedsländern anstoßen, Finanzmärkte überwachen, internationale Finanzinstitutionen zu reformieren - solche Ziele. Aber wo dermaßen viel politische Macht versammelt ist, geht es natürlich auch zum Beispiel um das Klima und um die politische Lage der Welt sowie ihre Krisen. An letzterem ist 2014 kein Mangel. Besondere Aufmerksamkeit wird Russlands Präsident Wladimir Putin erfahren, der - aus den G8 ausgeschlossen - in diesem Jahr noch nicht auf vielen internationalen Treffen mit den Kollegen aus dem Westen zusammenkam.

6. WAS WIRD IN BRISBANE HERAUSKOMMEN?

Die G20-Präsidentschaft hätte gerne verbindliche Maßnahmen zur Stärkung der Weltwirtschaft und für mehr Wachstum, das natürlich «nachhaltig» sein muss. Herauskommen wird am Sonntag aller Voraussicht nach ein (von den Sherpas monatelang vorverhandeltes) Abschlussdokument, das wie immer eine Quersumme vollendeter Diplomatie, mehrfach abgesicherter Unverbindlichkeit und Ziel geharnischter Kritik einer Reihe von NGO sein wird. Die G20 werden sich zum Kampf gegen den Islamischen Staat und Ebola bekennen, das Klima schützen wollen sowie Wachstum und Beschäftigung steigern.

7. WELCHE POLIT-PROMINENZ REIST AN?

US-Präsident Barack Obama, Putin, Chinas Staatschef Xi Jingping, Kanzlerin Angela Merkel - das sind nur einige der prominentesten Namen aus dem breiten Reigen von Staats- und Regierungschefs. Gefragt, wie sinnvoll solche Megatreffen noch sind («globaler Politzirkus»?), legen die Gipfelteilnehmer auf diese persönlichen Treffen stets großen Wert. Es sei absolut unverzichtbar, dass man auch mal direkt miteinander rede und sich austausche.

8. WIE SIEHT ES MIT TEILNEHMERZAHLEN INSGESAMT AUS?

Ein G20-Gipfel ist eine riesige Maschine, ein Apparat mit vielen Tausend Beteiligten und monatelanger Vorbereitung. Auch in Brisbane wird der Auftrieb beträchtlich sein. Allein 5300 Delegierte werden erwartet, dazu etwa 2300 Journalisten.

9. SIND DIE SORGEN UM DIE SICHERHEIT GROß?

Ja, allerdings. Gipfel sind für die Sicherheitsleute immer besondere Herausforderungen, das ist in Brisbane nicht anders. Dazu kommt nun eine besonders erhöhte Wachsamkeit, weil Australien in der internationalen Koalition gegen den Islamischen Staat mitmacht. In Brisbane gibt es bekannterweise muslimische Extremisten. Dort und in Sydney fand am 18. -September die größte Anti-Terror-Razzia in der Geschichte der australischen Polizei statt.- Zwei Verdächtige aus Brisbane sind in Haft, darunter der Bruder des ersten australischen -Selbstmordattentäters, der im September 2013 in Syrien 35 Menschen in den Tod riss.-

10. WO IST DER NÄCHSTE G20?

Im nächsten Jahr geht es in die Türkei, nach Istanbul. Vor Brisbane war Russland an der Reihe (St. Petersburg). Brisbane ist der neunte Gipfel der G20: Washington (2008), London (2009), Pittsburg (2009), Toronto (2010), Seoul (2010), Cannes (2011), Los Cabos (2012).