25 Jahre Mauerfall: «Träume können wahr werden»

Dankbar, stolz und nachdenklich: Mehr als eine Million Menschen haben in Berlin den Mauerfall vor 25 Jahren gefeiert. Zum emotionalen Höhepunkt stiegen am Sonntag knapp 7000 weiße Ballons in den Himmel - sie hatten den Verlauf der einstigen Mauer als Lichtgrenze nachgezeichnet.

25 Jahre Mauerfall: «Träume können wahr werden»
- 25 Jahre Mauerfall: «Träume können wahr werden»

Kanzlerin Angela Merkel sprach am Vormittag beim zentralen Gedenken am ehemaligen Todesstreifen von einer Botschaft für die Welt: «Träume können wahr werden. Nichts muss so bleiben wie es ist.» Aber auch die Erinnerung an die Opfer der deutschen Teilung und Sorgen um die weltpolitischen Konflikte prägten den Festtag.

Insbesondere die Krise um die Ukraine und die Spannungen mit Russland warfen einen Schatten auf die festliche Stimmung. Merkel betonte: «Wir können die Dinge zum Guten wenden.» Diese Botschaft richte sich besonders an die Menschen in der Ukraine, in Syrien und im Irak und in vielen anderen Regionen, «in denen Freiheits- und Menschenrechte bedroht oder mit Füßen getreten werden.»

Zum Jubiläum des Mauerfalls waren Hunderttausende Menschen aus aller Welt nach Berlin gekommen, wo am Wochenende mit zahlreichen Veranstaltungen an die Ereignisse des 9. Novembers 1989 erinnert wurde. Hauptattraktion war die Lichtinstallation, die den Verlauf der Mauer nachzeichnete. Als die Ballons am Abend aufstiegen und sich so die symbolische Grenze wieder auflöste, erklang Beethovens «Ode an die Freude», gespielt von der Staatskapelle Berlin unter Leitung von Daniel Barenboim.

Wegen Überfüllung waren schon weit vorher die Zugänge zum Bürgerfest unter dem Motto «Mut zur Freiheit» geschlossen werden. Am Nachmittag fand ein Festakt des Landes Berlin im Konzerthaus am Gendarmenmarkt statt. Zuvor hatte Bundespräsident Joachim Gauck, der auch zum Bürgerfest gekommen war, die Zeit vor 25 Jahren als die bewegendsten Tage seines Lebens bezeichnet.

Bei einer NDR-Veranstaltung erinnerte er aber auch an den Schmerz und die Zerrissenheit, die die Menschen damals erfüllt habe. «Bevor wir auf den Straßen getanzt und «Wahnsinn» gebrüllt haben, waren wir eingehüllt in unsere Ängste», sagte Gauck, der damals Pastor in Rostock war.

Dabei wurden der ehemalige sowjetische Staats- und Regierungschef Michail Gorbatschow und der frühere polnische Gewerkschaftsführer Lech Walesa mit stürmischem Beifall empfangen. Stehend feierten die Gäste insbesondere den 83-jährigen Gorbatschow, der als einer der Väter der deutschen Einheit gilt. Später am Brandenburger Tor erinnerten «Gorbi, Gorbi»-Rufe an die Zeit des Mauerfalls.

Gorbatschow hatte zuvor schwere Vorwürfe gegen den Westen erhoben. «Die Welt ist an der Schwelle zu einem neuen Kalten Krieg. Manche sagen, er hat schon begonnen», sagte er am Samstag bei einer Diskussionsveranstaltung mit Blick auf den Ukraine-Konflikt. Der Friedensnobelpreisträger warf dem Westen und insbesondere den USA vor, ihre Versprechen nach der Wende 1989 nicht gehalten zu haben. Gorbatschow wird an diesem Montag von Merkel im Kanzleramt empfangen. Der 83-Jährige hat bereits angekündigt, dass er bei der Kanzlerin als Fürsprecher von Kremlchef Wladimir Putin auftreten will.

Merkel würdigte bei der zentralen Gedenkveranstaltung ausdrücklich die demokratischen Bewegungen in den östlichen Nachbarländern und die Politik von Gorbatschow als Voraussetzung für die Wende. Weitere Mauern könnten eingerissen werden, sagte Merkel - «Mauern der Diktatur, der Gewalt, der Ideologien, der Feindschaften». Die deutsche Erfahrung vor 25 Jahren habe gezeigt: «Träume können wahr werden. Nichts muss so bleiben wie es ist.»

Auch an vielen anderen Orten entlang der einstigen innerdeutschen Grenze wurde an die historischen Ereignisse erinnert. Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht und ihr hessischer Amtskollege Volker Bouffier (beide CDU) überquerten die «Brücke der Einheit» über die Werra und legten am ehemaligen Grenzstreifen Kränze für die Maueropfer nieder.

In Helmstedt und am ehemaligen Grenzübergang Marienborn erinnerten die Regierungen von Sachsen-Anhalt und Niedersachsen an die Ereignisse vor 25 Jahren. Mehr als 100 000 DDR-Bürger hatten von 1961 bis 1989 die Flucht über die innerdeutsche Grenze versucht. Über 600 von ihnen kamen ums Leben, mindestens 136 starben allein an der Berliner Mauer.

Papst Franziskus äußerte in Rom die Hoffnung, dass weitere Mauern zu Fall gebracht werden könnten. «Wir brauchen Brücken, keine Mauern», rief er den Gläubigen auf dem Petersplatz zu. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker forderte, Europa «eine Herzensangelegenheit» werden zu lassen. «Mehr denn je muss Europa seiner Verantwortung zur Wahrung von Frieden und Freiheit gerecht werden.» Der Präsident des Europäischen Parlamentes, Martin Schulz (SPD), nannte den Umgang mit Flüchtlingen eine «Schande für Europa.