36 Tote bei Massengedränge in Shanghai

Die Menschen stürzen übereinander, werden eingequetscht und niedergetrampelt. Die Silvesterfeier in Shanghai endet in einer Massenpanik. Auslöser sind Geldscheine, die US-Dollar-Noten ähneln.

Bei einer Massenpanik sind am Silvesterabend in Shanghai 36 Menschen ums Leben gekommen. Fast 50 wurden verletzt, wie die Behörden der ostchinesischen Hafenmetropole in der Nacht mitteilten. Die Katastrophe begann 25 Minuten vor dem Jahreswechsel um Mitternacht Ortszeit auf dem von Menschenmassen überfüllten Chen-Yi-Platz am Bund, der berühmten historischen Uferpromenade der Metropole am Huangpu-Fluss.

Viele Menschen stürzten übereinander, wurden niedergetrampelt und eingequetscht. «Ich zog Leute heraus, aber unter ihnen lagen noch mehr», schilderte ein Augenzeuge das Geschehen in chinesischen sozialen Medien. «Sie waren bewusstlos oder sogar erstickt. Ihre Gesichter waren blau und grün.» Helfer bemühten sich verzweifelt, Opfer wiederzubeleben.

Aus einem der Luxus-Clubs in den historischen Gebäuden am Bund war «Neujahrsgeld» in Form von 100-US-Dollar-Scheinen geworfen worden, wie Augenzeugen in chinesischen sozialen Medien berichteten. Fotos zeigten auf dem Boden liegende, nachgemachte Scheine mit dem Aufdruck «Neujahr 2015» und dem Namen des berühmten Nachtclubs «M18».

«Oben flog Geld», berichtete ein Augenzeuge im Krankenhaus laut chinesischen Medien. Es sei so gewesen, als wenn «ganz viel Geld heruntergeworfen wird, alles US-Dollar». Die Leute hätten «da wird Geld geworfen» gerufen. Chaos sei ausgebrochen und die ersten seien niedergetrampelt worden.

Es seien einfach «zu viele Menschen» gewesen, berichtete ein anderer Augenzeuge. Die Polizei mühte sich, jeweils Gassen für Rettungswagen freizumachen, um überhaupt Verletzte in Krankenhäuser bringen zu können. Polizisten bildeten einen Kette, um die Massen abzudrängen, während Kollegen und Helfer Verletzte und leblose Körper in Polizeiwagen trugen, wie auf einem Video im Internet zu sehen war.

Auf der Straße blieben verstreut Schuhe, Taschen und andere Gegenstände zurück. Die meisten Opfer wurden ins Erste Volkshospital gebracht, wo es Zwischenfälle zwischen empörten Angehörigen und Polizisten gab, die im Krankenhaus für Ordnung sorgen mussten. Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping ordnete eine sofortige Untersuchung des Unglücks an und rief zu verstärkten Sicherheitsvorkehrungen auf, damit sich eine solche Tragödie nicht wiederholen könne.

Der Chen-Yi-Platz am historischen Peace Hotel und die Uferterrasse sind berühmte Aussichtsplattformen gegenüber der Skyline der Hochhäuser von Pudong. Hunderttausende hatten sowohl die Promenade als auch Haupt- und Nebenstraßen überfüllt. Die Feiernden kamen kaum vorwärts, schoben sich gegenseitig hin und her, als es zur Panik kam.

Ursprünglich war zum Countdown ins neue Jahr eine große Lasershow am Bund mit Feuerwerk um Mitternacht (17.00 Uhr MEZ) angekündigt gewesen. Doch hatte die Stadtregierung die beliebte Veranstaltung erst vor einer Woche kurzfristig abgesagt, weil zu viele Menschen und ein Verkehrschaos erwartet worden waren. Im Vorjahr waren 300 000 Menschen gekommen.

Eigentlich feiern die Chinesen Silvester nicht richtig, weil sie traditionell nach dem Mondkalender erst später das neue Jahr begrüßen. Das Jahr des Schafes beginnt am 19. Februar. So gibt es an Silvester kein Feuerwerk zu kaufen, sondern erst zum chinesischen Neujahrsfest, wenn das Land praktisch zum Stillstand kommt. Der 1. Januar ist in China aber auch ein Feiertag.