«8:0 sagt alles»: HSV verprügelt wie nie

Am Tag nach der historischen Abreibung herrschte beim Hamburger SV immer noch tiefe Betroffenheit. «Die psychische Instabilität der Mannschaft ist wahnsinnig groß», sagte Sportdirektor Peter Knäbel am Volkspark.

«8:0 sagt alles»: HSV verprügelt wie nie
Andreas Gebert «8:0 sagt alles»: HSV verprügelt wie nie

Noch am Münchner Flughafen habe man zusammengesessen und überlegt, «wie wir mit diesem Systemausfall umgehen». Nach zuletzt zwei Siegen brach der HSV an seinem Schreckensort Allianz Arena in 90 Minuten völlig auseinander. «8:0 sagt alles», klagte Trainer Joe Zinnbauer nach der höchsten Niederlage der Hamburger in 52 Bundesligajahren.

«Jeder Spieler, jeder Offizielle vom HSV weiß, dass das ein Tag war, der beschämend ist», sagte der Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer mit fahlem Gesicht. Die mitgereisten Fans und die daheim bat er um Entschuldigung.

Auch Zinnbauer wird den 14. Februar 2015 «mein Leben lang nicht vergessen». Beiersdorfer rief nach der Rekord-Pleite im 1751. Ligaspiel trotzdem noch vor der Heimreise alle Beteiligten dazu auf, jetzt «nicht die Nerven zu verlieren», sondern nur zwei Jahre nach einem demütigenden 2:9 in München Ruhe und Übersicht im Abstiegskampf zu bewahren. «Wir müssen auf der Hut sein. In solchen Situation wird sich dann immer gegenseitig zerpflückt. Das wollen wir nicht tun», erklärte der Leid gewöhnte HSV-Boss. Die Spieler sollten sich nicht äußern, nur die Offiziellen sprachen in München.

«Man ist enttäuscht, man ist wütend und man schämt sich natürlich», erklärte Knäbel. «Auch wenn Bayern München nicht unser Gradmesser ist, dürfen solche Sachen nicht passieren», erklärte Beiersdorfer: «In allen Kriterien des Fußballs waren wir den Bayern sehr stark unterlegen.» Thomas Müller (2), Arjen Robben (2), Mario Götze (2), Robert Lewandowski und Franck Ribéry durften dem bedauernswerten HSV-Schlussmann Jaroslav Drobny fast ohne Gegenwehr der Hamburger Feldspieler und nach Herzenslust die Bälle ins Netz hauen.

Zinnbauer versammelte seine verprügelten Profis nach dem Schlusspfiff noch auf dem Rasen um sich, aber nicht um noch zusätzlich verbal «draufzuhauen». Drobny fehlte im Kreis, er war zu deprimiert. «Wer Drobny kennt, weiß, der ist schon bei einem 0:1 stinkig», sagte Zinnbauer rücksichtsvoll.

Der Trainer selbst hatte mit seiner Aufstellung auch nicht glücklich agiert. Den unerfahrenen Ronny Marcos gegen Bayern-Rakete Robben zu stellen, erwies sich etwa als Eigentor. Aber nicht nur der 21 Jahre alte Verteidiger, der mit einem Handspiel im Strafraum das Debakel einleitete, versagte. Auch Routiniers wie Kapitän Rafael van der Vaart oder Ex-Nationalspieler Heiko Westermann gingen unter. Nur 59 gewonnene Zweikämpfe des HSV wurden gezählt, Minuswert bei einem Bundesligaspiel der laufenden Saison.

Zinnbauer richtete den Blick verzweifelt nach vorne auf das Heimspiel gegen den starken Tabellendritten Borussia Mönchengladbach: «Nächste Woche muss eine Reaktion der Mannschaft kommen.» Auch Beiersdorfer mahnte: «Wir dürfen nicht stehenbleiben, wir müssen weitergehen, wir müssen uns wieder aufbauen für das nächste Spiel.» Die Lage ist ja nicht zum ersten Mal kritisch beim HSV.

Beiersdorfer redete fast beschwörend: «Wir müssen zusammenstehen. Wir haben gesagt, dass es ein schwieriger Weg ist. Unsere Pflicht und unsere Aufgabe ist es jetzt, die Nerven zu behalten wie auch in anderen schwierigen Situationen bisher und zu versuchen, die Mannschaft wieder einzustellen auf das nächste Spiel.» Die einzig positive Nachricht war am Sonntag die Entwarnung bei Ivica Olic, der einen Schlag auf den Rücken bekommen hatte. Auszufallen droht wegen muskulärer Probleme allerdings Marcell Jansen.