Abfindungsprogramm lastet trotz Umsatzplus auf SAPs Gewinn

Das freiwillige Abfindungsprogramm wird für den Softwarekonzern SAP teurer als gedacht. In einem Schreiben an seine Mitarbeiter jubelte SAP-Chef Bill McDermott: «Das Restrukturierungsprogramm entwickelt sich schneller als ursprünglich erwartet.»

Doch damit kostet es auch mehr. Statt ursprünglich 250 Millionen Euro plant der Softwarekonzern nun für das Gesamtjahr mit 470 bis 530 Millionen Euro. «Wir sind von der Nachfrage nach dem in Europa angebotenen Vorruhestandsprogramm überrascht worden», räumte Finanzchef Luka Mucic im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur ein.

Da SAP künftig mehr Software zur Miete verkaufen will und ältere Programme überflüssig werden, sollen nach dem ursprünglichen Plan etwa drei Prozent oder rund 2000 der weltweit 74 000 Beschäftigten im Laufe des Jahres auf eine neue Stelle wechseln oder ab einem bestimmten Alter mit einer Abfindung zum Gehen bewegt werden. «Wahrscheinlich werden am Ende sogar vier Prozent der Mitarbeiter weltweit an dem Programm teilgenommen haben», sagte Mucic. Bislang hätten sich mehrere hundert Mitarbeiter gemeldet.

Die Ausgaben werden sich aber wohl nicht noch einmal erhöhen, so Mucic. «Da die Programme in diesem Monat in Deutschland und bald in Frankreich auslaufen, sind die Kosten gut planbar.»

Angesichts der guten Resonanz werde es 2016 kein weiteres Restrukturierungsprogramm brauchen. «Wir denken, dass wir damit den Großteil unserer Transformation auf Seiten der Belegschaft hinter uns gebracht haben.» Im Gegenzug rechnet der Softwarekonzern mit Einsparungen im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Der volle Effekt werde sich aber erst 2016 zeigen, so Mucic. Nach wie vor will SAP dank seines Wachstums trotz der Abgänge am Ende des Jahres mehr Mitarbeiter als im Vorjahr beschäftigen.

Im zweiten Quartal ging der Gewinn nach Steuern wegen der Abfindungen erst einmal um 16 Prozent auf 469 Millionen Euro zurück. Dazu schmälert die Umstellung auf das Abo-Modell die Margen. Weil die Erlöse in dem neuen Geschäft allerdings über mehrere Quartale und nicht mehr in einer hohen Einmalzahlung für Lizenzen fließen, drückt das in der Umstellungsphase auf den Gewinn.

An der Börse sorgte das zunächst für Enttäuschung. Im Laufe des Vormittags reduzierte die SAP-Aktie ihre Verluste und arbeitete sich ins Plus. Denn im zweiten Quartal hatte der starke Dollar das Umsatzwachstum von SAP erneut beschleunigt. Der positive Effekt durch den schwachen Euro werde sich aber im Laufe der zweiten Jahreshälfte abschwächen, sagte Mucic. Die Umsätze stiegen um 20 Prozent auf 4,97 Milliarden Euro. Ohne die Hilfe von Währungseffekten entsprach das einem Plus von acht Prozent. SAP macht mehr als ein Drittel seiner Erlöse im Euroraum - ähnlich hoch ist der Anteil des US-Geschäfts.

Einen zweiten Schub erhielt SAP aus dem noch jungen Geschäft mit Software, die im Abo-Modell verkauft wird. Im Cloudgeschäft mit Software zum Mieten konnte SAP dank der jüngsten Übernahmen die Erlöse mehr als verdoppeln. Der Konzern macht inzwischen etwa ein Zehntel seiner Umsätze mit Software, die in Abo-Modellen verkauft wird. Die größte Nachfrage kommt nach wie vor aus den USA.