Abgas-Deal zwischen VW und US-Behörden?

In der Abgas-Affäre wird kurz vor dem Auslaufen eines Ultimatums eine Einigung zwischen Volkswagen und den US-Behörden über eine milliardenschwere Schadenersatz-Lösung erwartet. Auch für VW-Kunden in Deutschland fordern Verbraucherschützer nun Klarheit.

Abgas-Deal zwischen VW und US-Behörden?
Patrick Pleul Abgas-Deal zwischen VW und US-Behörden?

Jeder US-Halter eines VW-Modells, das mit der «defeat device» genannten Betrugs-Software ausgestattet sei, solle 5000 US-Dollar (gut 4400 Euro) an Entschädigung erhalten, berichtete die «Welt» (Donnerstag) unter Berufung auf Verhandlungskreise. Davon unabhängig müsse der Konzern die Kosten für die Umrüstung des jeweiligen Autos tragen. Daneben kursierten aber auch andere mögliche Summen. Ein Volkswagen-Sprecher in Wolfsburg wollte dies nicht kommentieren.

Heute will der für Hunderte Zivilklagen wegen Verstößen gegen US-Gesetze zuständige Richter Charles Breyer in San Francisco eine Lösung sehen. Er hatte Volkswagen und der US-Umweltbehörde EPA die bereits einmal verlängerte Frist gesetzt.

Breyer verlangt einen detaillierten Plan zur Reparatur der rund 580 000 Dieselwagen, die in den Vereinigten Staaten von der Affäre um manipulierte Emissionswerte betroffen sind. Ob ein Deal in den USA sich anschließend auf die Situation in Europa mit etwa 8,5 Millionen Fahrzeugen übertragen ließe, gilt jedoch als fraglich.

Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv), Klaus Müller, warnte VW davor, seine US-Kunden großzügiger zu entschädigen als VW-Fahrer in Deutschland. «Wenn Volkswagen geschädigten Kunden in den USA 5000 Dollar zahlt, steigt die Ungerechtigkeit gegenüber deutschen Kunden. Auch betroffene VW-Kunden in Deutschland erwarten eine unkomplizierte Lösung.» Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer meinte, die Anwendung einer ähnlichen Regelung in Europa sei eher unwahrscheinlich. Aber: «Mit 5000 Dollar pro Fahrzeug hätte man schon mal ein großes Problem weggeräumt: die Sammelklagen der US-Kunden.»

An der Frankfurter Börse reagierte die VW-Aktie auf die mögliche Einigung in Kalifornien mit einem deutlichen Kurssprung. Am frühen Nachmittag lag sie um über 5 Prozent im Plus und führte den Dax an.

Fest steht, dass VW - zusätzlich zu einem möglichen Schadenersatz - hohe Kosten für eventuelle Rückkäufe und Auflagen der US-Regulierer drohen. Die Rückstellungen zur Bewältigung des Skandals sollen Insidern zufolge deutlich erhöht werden. Bislang wurden dafür 6,7 Milliarden Euro beiseite gelegt. Vorstandschef Matthias Müller hatte zudem angekündigt, den US-Kunden Einkaufsgutscheine anzubieten.

Ein genauer Plan zur Umrüstung der Autos soll Richter Breyer laut dem Zeitungsbericht zunächst nicht vorgelegt werden. Auch die Strafen und Wiedergutmachungs-Angebote seien nicht in allen Details geregelt. «Es handelt sich vielmehr um eine Art Eckpunktepapier, in dem die große Linie für die kommenden Monate festgelegt ist und an dem weitergearbeitet wird», zitierte die «Welt» einen Prozessbeteiligten.