Abrahams Erben - Wie am Nil einst Frieden möglich war

Mehr als 600 Jahre lang, von der Römerzeit bis zum Beginn der islamischen Herrschaft, lebten in Ägypten Christen, Juden und Muslime meist gedeihlich miteinander.

Zwischen Spätantike und Mittelalter herrschte mehr oder weniger Religionsfrieden, vor allem im Alltag, wie eine Ausstellung auf der Berliner Museumsinsel jetzt nachzeichnet. «Ein Gott - Abrahams Erben am Nil» - unter diesem Titel zeigt die Ausstellung die gemeinsamen Ursprünge von Juden, Christen und Muslimen und will andeuten, «was früher möglich war», wie die Direktorin des Ägyptischen Museums, Friederike Seyfried, am Mittwoch vor der Eröffnung sagte.

Bis zum 13. September sind im Bode-Museum rund 250 Objekte zu sehen, darunter Skulpturen, Schriftstücke und Textilien. Sie sollen den gemeinsamen Hintergrund der drei Weltreligionen dokumentieren, ohne dabei Antworten auf aktuelle Fragen geben zu wollen, wie Seyfried einräumte.

Ein Ort der Toleranz war vor allem die Mittelmeer-Stadt Alexandria - allerdings unter römischer Herrschaft. Zunehmender Wohlstand und Handel hätten zum Frieden verholfen, mutmaßt Ägyptologin Seyfried.

Doch gleich zu Beginn stellt die Ausstellung auch die Annahme eines völlig unbelasteten Nebeneinanders infrage. Ob der Streit über die Dreifaltigkeit Gottes unter Christen, der Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten, die Ausgrenzung der Juden oder die Kreuzzüge - absoluter Frieden zwischen den Buchreligionen war damals eine ferne Utopie.

Mit Hilfe von Alltags- und Kultobjekten berichtet die Ausstellung über einen spektakulären Wandel: Die antike Götterwelt weicht im alten Ägypten allmählich dem Glauben an den «einen Gott». Im Mittelpunkt steht Urvater Abraham, den alle drei Glaubensgemeinschaften anerkennen. Er ist das Bindeglied zwischen Judentum, Christentum und Islam, wie anhand von Bibel und Koran nachgewiesen wird.

Vor allem in kleinen Objekten spiegeln sich religiöse und kulturelle Überschneidungen, etwa im Erzengel Gabriel oder der altägyptischen Isis. Auf den Isis-Miniaturen ist zu sehen, wie die Göttin ihren Sohn Horus an der Brust hält - genauso wie später die Milch spendende Mutter Maria mit dem Jesu-Kind.

Ursprünglich sollte in Berlin eine Ausstellung des Koptischen Museums Kairo gezeigt werden. Doch das war den Berlinern zu wenig, sie wollten nicht nur Zeugnisse christlichen Lebens zeigen. Jetzt ist es offenbar zu spät. Wegen der politischen Lage in seinem Land sei es momentan nicht möglich, mit eigenen Stücken präsent zu sein, räumte der ägyptische Kulturminister Mamdouh Mohamed Gad Eldamaty als Gast in Berlin ein.