Abschied mit Blitz-K.o.: Brähmer feiert Rekordsieg

Boxweltmeister Brähmer hat den Sauerlandstall mit einem spektakulären K.o. nach nur 43 Sekunden nach 14 Jahren Zusammenarbeit von der ARD verabschiedet. Mit Sat.1 will der Schweriner künftig neue Glanzlichter setzen.

Die historische Relevanz seines Sieges war Jürgen Brähmer zunächst ziemlich egal. «Ich freue mich jetzt nur auf meine Heimfahrt und darauf, endlich meine Kinder in die Arme zu schließen», sagte der WBA-Weltmeister im Halbschwergewicht, nachdem er in der Oldenburger EWE-Arena die Ära des Profiboxens in der ARD mit einem Schlag beendet hatte.

43 Sekunden benötigte der 36 Jahre alte Schweriner im letzten Hauptkampf der Kooperation zwischen dem TV-Sender und dem Berliner Sauerland-Stall, um seinen vier Jahre jüngeren polnischen Herausforderer Pawel Glazewski in die Knie zu zwingen. Ein perfekt ausgeführter Leberhaken, vorbereitet mit glänzenden Kopfhaken - es war ein Knock-out aus dem Lehrbuch und gleichzeitig der schnellste K.-o.-Sieg eines deutschen Profiboxers in einem WM-Kampf.

«Heute haben wir wieder den alten Jürgen Brähmer gesehen, mit Killerinstinkt und perfekter Technik. Er hat bewiesen, dass er der beste Halbschwergewichtler der Welt ist», sagte Promoter Kalle Sauerland, der gemeinsam mit seinem Vater Wilfried am Freitagabend nach 14 Jahren Abschied von der ARD genommen hatte. «Ich hätte der ARD einen etwas längeren Hauptkampf gewünscht. Aber dass unser gemeinsames Kapitel mit einem Rekord zu Ende geht, ist auch schön», sagte Wilfried Sauerland.

Dass Brähmer bereit ist, auch am nächsten Kapitel mitzuschreiben, daran gibt es keine Zweifel. Die neue Zeitrechnung beginnt für seinen Promoter am 21. Februar in Berlin, wenn der neue TV-Partner Sat.1 die Titelverteidigung von WBO-Supermittelgewichts-Champion Arthur Abraham gegen den Briten Paul Smith überträgt, «Ich habe mich noch nie so frisch gefühlt nach einer harten Vorbereitung wie diesmal», sagte Brähmer, der während des Trainingslagers zum zweiten Mal Vater wurde. «Ich habe während des Trainings gemerkt, dass ich noch eine Menge Luft nach oben habe und dass ich langsam mal anfangen sollte, mein Potenzial auszuschöpfen.»

Natürlich konnte der Pole, der in zuvor 25 Profikämpfen nie außerhalb der Heimat und nie gegen namhafte Konkurrenz geboxt hatte, nicht als Gratmesser herhalten für das, was Brähmer im Herbst seiner Karriere noch leisten kann. Dennoch war der 45. Sieg im 47. Kampf ein beeindruckendes Zeichen dafür, dass mit dem Schweriner weiterhin zu rechnen ist. «Besser kann man es nicht machen», sagte Trainer Karsten Röwer.

Die Frage nach der sportlichen Zukunft wollte Brähmer in Oldenburg noch nicht beantworten. Wilfried Sauerland brachte erneut ein Supermittelgewichtsturnier mit den vier deutschen Stars Arthur Abraham, Felix Sturm, Robert Stieglitz und Brähmer ins Gespräch. Alle Kämpfe des Quartetts werden von Sat.1 übertragen. «Bislang konnten wir viele Kämpfe nicht machen, weil unterschiedliche Fernsehpartner sie verhinderten. Jetzt gibt es keine Ausreden mehr. So ein Turnier wäre sehr interessant», sagte der Gründer des Berliner Erfolgsstalls.

Für Brähmer, der seine Profikarriere im Supermittelgewicht begonnen hatte, wäre ein Abstieg ins nächstniedrigere Limit kein Problem: «Wenn Herr Sauerland meint, dass ich noch zwei Kilo abnehmen soll, dann mache ich das», sagte er. Sein nächster Kampf soll allerdings noch im Limit bis 79,3 Kilo stattfinden: Für den 21. März ist Rostock als Kampfort geplant.