Acht Jahre nach Verschwinden: Urteil im Mordfall erwartet

Im Indizienprozess um den Tod der kleinen Jenisa in Hannover werden heute die Plädoyers und möglicherweise auch das Urteil erwartet.

Ein 44-Jähriger ist angeklagt, die achtjährige Nichte seiner damaligen Lebensgefährtin 2007 sexuell missbraucht und erschlagen zu haben. Damals kam der Mann nach wochenlanger Untersuchungshaft frei, weil die Polizei ihm nichts nachweisen konnte. Erst nachdem der Mann im vergangenen Jahr für einen weiteren Kindsmord an dem fünfjährigen Dano in Herford zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, kamen die Fahnder voran.

Mitgefangene erschlichen sich unter einem Vorwand das Vertrauen des Angeklagten. Dieser gestand ihnen offenbar die Morde an Dano und Jenisa und schilderte präzise, wo er das tote Mädchen versteckt hatte. Die Häftlinge informierten die Justiz, die mit den Angaben das Skelett von Jenisa an einem Wald bei Wunstorf in der Region Hannover fanden. Es folgten Anklage und Prozess in Hannover. Vor Gericht schwieg der Mann zu den Vorwürfen.

Wenn das Landgericht Hannover den Angeklagten verurteilt, liegt das Strafmaß bei einem zweiten Mord in der Summe zwar weiter bei einer lebenslangen Haft. Das Gericht kann aber die besondere Schwere der Schuld feststellen, was eine Haftentlassung nach 15 Jahren ausschließt. Da ein Psychiater im Prozess von der Gefahr weiterer schwerer Straftaten durch den Angeklagten gesprochen hat, könnte auch eine Sicherungsverwahrung im Anschluss an die Haft angeordnet werden. Dann würde der 44-Jährige womöglich nie mehr in Freiheit kommen.