Ägypten verhindert zusätzliche Flüge von Scharm el Scheich

Die im ägyptischen Scharm el Scheich gestrandeten britischen Touristen können zunächst nicht alle wie geplant zurück in die Heimat geholt werden.

Ägyptische Behörden lassen keine zusätzlichen Flüge der Fluggesellschaft Easyjet von dem Badeort nach Großbritannien zu, wie das Unternehmen mitteilte. Acht Flüge seien betroffen. Es werde «auf höchster politischer Ebene gesprochen», um das Problem zu lösen.

Wie andere Fluggesellschaften wollte auch die britische Billig-Airline zusätzliche Maschinen in den Badeort am Roten Meer schicken, um gestrandete Touristen heimzufliegen. Der BBC zufolge könnten Probleme mit der zeitlichen Organisation der Starts und Landungen in Scharm el Scheich das Problem sein.

Heute Mittag starteten dennoch die ersten zwei Easyjet-Maschinen in Scharm el Scheich, um Touristen nach London zu bringen. An Bord waren dem Unternehmen zufolge rund 340 Passagiere. In der Region sollen bis zu 20 000 Briten gestrandet sein.

Die Fluggesellschaft Monarch teilte mit, dass ihre fünf geplanten Flüge voraussichtlich stattfinden würden. Auch British Airways erklärte, es laufe alles nach Plan. Der britische Botschafter in Ägypten, John Casson, sagte in Scharm el Scheich, es gebe zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen, die einen sicheren Heimflug ermöglichten.

Nach dem Absturz einer russischen Passagiermaschine über dem Sinai am 31. Oktober hatte London am Mittwoch die Flugverbindungen zwischen Großbritannien und Scharm el Scheich aus Angst vor Terroranschlägen gestoppt. Die Regierung vermutet, dass Terroristen eine Bombe an Bord des Unglücksfliegers geschmuggelt hatten.

Nach einem BBC-Bericht hat London Hinweise darauf erhalten, dass eine Bombe im Frachtraum der abgestürzten Maschine war. Die Informationen stützten sich auf abgehörte Gespräche von Milizen auf der Sinai-Halbinsel, berichtete der Sender. Eine Quelle dafür nannte die BBC nicht. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte behauptet, für den Absturz mit 224 Toten verantwortlich zu sein.

Für heute waren bisher mehr als 20 Flüge verschiedener Linien von Scharm el Scheich nach Großbritannien geplant. Die gestrandeten Urlauber müssen zunächst ihr Gepäck zurücklassen und dürfen nur Handgepäck mitnehmen. Das Gepäck soll nachgeliefert werden.

Eine russische Militärmaschine mit den Überresten der Opfer des Flugzeugabsturzes startete am Freitag vom Flughafen Kairo Richtung Moskau. An Bord der Maschine sind auch 19 Mitglieder eines russischen Bergungs- und Ermittlungsteams, das am Unglücksort im Einsatz war, wie es aus Sicherheitskreisen am Flughafen hieß.

Die USA prüfen nach Worten von Präsident Barack Obama sehr genau, ob eine Bombe den russischen Ferienflieger auf dem Sinai zum Absturz gebracht hat. Es gebe die Möglichkeit, dass eine Bombe an Bord war, sagte Obama dem Radiosender CBS. «Wir nehmen das sehr ernst.»

Sollte tatsächlich eine Bombe das russische Passagierflugzeug zum Absturz gebracht habe, wäre das ein schwerer Schlag für den Tourismus Ägyptens. Die Branche trägt rund elf Prozent zum ägyptischen Bruttoinlandsprodukt bei. Bereits nach dem Sturz von Langzeitherrscher Husni Mubarak 2011 hatte Ägyptens Tourismus unter einem massiven Rückgang der Besucherzahlen gelitten. Erst seit dem Sommer des vergangenen Jahres stieg die Zahl der Gäste wieder an.