AfD-Vize sorgt mit Äußerungen über Boateng für Empörung

Mit umstrittenen Äußerungen über den Nationalspieler Jérôme Boateng hat AfD-Vize Alexander Gauland kurz vor Beginn der Fußball-EM für breite Empörung gesorgt.

AfD-Vize sorgt mit Äußerungen über Boateng für Empörung
Christoph Schmidt AfD-Vize sorgt mit Äußerungen über Boateng für Empörung

Gauland sagte der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung»: «Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.» Gauland bestritt am Sonntag diese Äußerung gemacht zu haben, was die Zeitung zurückwies. Politiker aller anderen Parteien sowie Fußballfunktionäre reagierten empört.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) sagte im Kurznachrichtendienst Twitter: «Einfach nur niveaulos und inakzeptabel. Wer so redet, entlarvt sich selbst - und das nicht nur als schlechter Nachbar.» CDU-Vize Julia Klöckner twitterte: «Lieber Boateng als Gauland als Nachbarn. Typisches Muster AfD: beleidigen, provozieren - später dann relativieren.»

Gauland behauptet, er habe in einem vertraulichen Hintergrundgespräch die Einstellung mancher Menschen beschrieben, «aber mich an keiner Stelle über Herrn Boateng geäußert». Er widersprach zudem der Darstellung der Zeitung, er habe Boateng beleidigt. «Ich habe nie, wie die «FAS» insinuiert, Herrn Boateng beleidigt. Ich kenne ihn nicht und käme daher auch nicht auf die Idee, ihn als Persönlichkeit abzuwerten.»

Die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» (FAS) bestand auf ihrer Darstellung. Die kritisierte Äußerung stamme aus einem Gespräch von Gauland mit zwei Berliner Korrespondenten am Mittwoch in Potsdam, heißt es in einer Stellungnahme der Politik-Redaktion der «FAS» am Sonntag. «Beide Kollegen haben die Passage aufgezeichnet, ihre Aufzeichnungen stimmen überein.» Gauland habe lediglich den Teil des Gesprächs, in dem er sich über AfD-Führungspolitiker äußerte, als Hintergrund eingestuft, aus dem nicht zitiert werden sollte.

Die Parteivorsitzende der rechtspopulistischen AfD, Frauke Petry, entschuldigte sich bei Boateng und verwies auf Erinnerungslücken ihres Stellvertreters: «Herr Gauland kann sich nicht erinnern, ob er diese Äußerung getätigt hat. Ich entschuldige mich unabhängig davon bei Herrn Boateng für den Eindruck, der entstanden ist.»

Der in Berlin geborene Boateng ist der Sohn einer deutschen Mutter und eines ghanaischen Vaters. SPD-Chef Sigmar Gabriel erklärte deshalb via Twitter, die AfD sei nicht fremdenfeindlich, sondern «deutschfeindlich». Die Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, stellte fest: «Gauland und AfD sind nicht in Deutschland angekommen.» CDU-Vize Armin Laschet meinte, Gauland gehe es «um Rassismus pur». Linken-Chef Bernd Riexinger befand: «Gauland ist ein ganz übler Rassist!»

Der auch für Sport zuständige Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte der «Bild»-Zeitung: «Jérôme Boateng ist eine herausragende Stütze unserer Nationalmannschaft und ein absoluter Musterprofi. Jeder Deutsche kann sich glücklich schätzen, solche Leute zu haben, als Teamgefährte, deutscher Staatsbürger und als Nachbar.»

Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Reinhard Grindel, sagte der Zeitung, es sei «einfach geschmacklos», die Popularität Boatengs und der Nationalmannschaft «für politische Parolen zu missbrauchen». Der Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff stellte fest: «Es ist ja nicht das erste Mal, dass wir mit solchen Aussagen konfrontiert werden. Sie bedürfen keiner weiteren Kommentierung, die Personen diskreditieren sich von alleine.»

«Diskriminierungen jeder Art haben im Sport und in unserer Gesellschaft nichts verloren und verdienen die Rote Karte», sagte Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, am Sonntag auf der Internetseite der Bayern. Ligapräsident Reinhard Rauball und DFL-Geschäftsführer Christian Seifert erklärten, die Äußerungen dienten «vor allem dazu, auf gefährliche Weise gezielt Vorurteile zu bedienen und auf dem Rücken eines prominenten Fußball-Spielers Politik zu machen».

Erst in der vergangenen Woche hatten sich Anhänger der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung abschätzig über Jugendfotos der deutschen Nationalspieler auf Packungen der Kinderschokolade geäußert. Darauf zu sehen sind unter anderem auch Jérôme Boateng und Ilkay Gündogan.

Derweil haben Unbekannte das Wohnhaus eines AfD-Politikers in Bremen mit Farbbeuteln beworfen und die Haustür mit Montageschaum besprüht. Der 63-jährige Bewohner blieb dabei unverletzt, wie die Polizei mitteilte. Sie sprach von bis zu sieben vermummten Tätern. Sie schrieben den Spruch «AfD versenken» an die Wand. Zusätzlich wurde der Hauseingang durch einen mit Stacheldraht versehenen Bauzaun versperrt. Daran prangte ein Transparent mit der Aufschrift «Gegen jeden, statt gegen jede Grenze». Nach Zeugenangaben flüchteten die Vermummten auf Fahrrädern.