Afrikanischer Arzt erhält Sacharow-Preis des EU-Parlaments

Seit Jahren behandelt der afrikanische Frauenarzt Denis Mukwege Opfer von Gruppenvergewaltigungen im Kongo. Das Europaparlament hat nun sein Engagement mit dem Sacharow-Preis für Menschenrechte gewürdigt. P

arlamentspräsident Martin Schulz (SPD) überreichte dem Kongolesen in Straßburg die mit 50 000 Euro dotierte Auszeichnung.

«Sie sind im Angesicht grausamer Gewalt zu einem furchtlosen Mann geworden, der sich um die am meisten vernachlässigten Opfer des Krieges kümmert, um Frauen und Mädchen, die Opfer sexueller Gewalt wurden», sagte Schulz. Er forderte, die Vergewaltigung im Krieg als Kriegsverbrechen einzustufen. «Die Straffreiheit für Vergewaltiger in bewaffneten Konflikten muss beendet werden».

Der Arzt prangerte in seiner Dankesrede an, dass die systematische Vergewaltigung von Frauen und Mädchen in seinem Land als Kriegswaffe eingesetzt werde. «Die Körper der Frauen sind zu Schlachtfeldern geworden», sagte er.

Der Sacharow-Preis sei eine Ermutigung für alle Kongolesen, sich für die Wiederherstellung von Recht und Legalität einzusetzen. «Es herrscht das Gesetz der Kriegsherren, im Kongo gibt es keinen Rechtsstaat und die Behörden des Landes sind nicht in der Lage, die Bevölkerung zu schützen.»

Mukwege appellierte an die EU, sich auch langfristig für ein Ende des Konflikts im Kongo einzusetzen. Schulz sprach in der anschließenden Pressekonferenz von einer bewegenden Zeremonie. «Selten habe ich erlebt, dass im Plenarsaal Abgeordnete zu Tränen gerührt sind.» Auf den Zuschauertribünen reagierten afrikanische Zuschauer mit Jubel und Gesang auf die Preisvergabe.

Der 59 Jahre alte Gynäkologe hat ein Krankenhaus in der Demokratischen Republik Kongo gegründet. Seit den 1990er Jahren hat er Tausende Frauen behandelt. Mit dem Preis zeichnet das Europäische Parlament Personen oder Organisationen aus, die sich für Menschenrechte und Grundfreiheiten einsetzen.