Ai Weiwei in Deutschland - längerer Aufenthalt erwartet

Der Freundeskreis des chinesischen Künstlers Ai Weiwei rechnet mit einem längeren Aufenthalt des 57-Jährigen in Deutschland. «Wir freuen uns, dass Ai Weiwei jetzt seine Gastprofessur an der Universität der Künste annehmen kann», sagte der Galerist und Sprecher der Initiative, Alexander Ochs, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

«So wie wir ihn kennen, wird er diese Aufgabe sehr ernst nehmen und während der Semester sicher hier sein.»

Die Universität hatte Ai Weiwei 2011 auf die drei Jahre laufende Einstein-Gastprofessur berufen, die der Künstler wegen des chinesischen Ausreiseverbots bisher nicht annehmen konnte. Nach seiner Ausreise hofft die UdK nun darauf, dass er die angebotene Gastprofessur bald antritt. «Bei seinem Aufenthalt in Deutschland würden wir hierüber gern ins Gespräch kommen», sagte Universitätssprecher Bjoern Wilck. «Die Berufung besteht seit vier Jahren, die Finanzierung ist dank der Einstein Stiftung Berlin nach wie vor gesichert.»

Nach Rückerhalt seines Passes war Ai Weiwei am Donnerstagnachmittag nach München geflogen, wo er sich ärztlich untersuchen lassen wollte. 2009 war er nach einer Gehirnblutung - auch auf einem Flug nach München - beinahe gestorben. Er hatte damals vier Wochen zuvor in der Provinz Sichuan brutale Schläge von chinesischen Sicherheitsleuten auf den Kopf kassiert. Im Münchner Klinikum Großhadern wurde damals eine Notoperation gemacht.

Er wolle einige Tage in München verbringen, sagte er am Donnerstag bei seiner Ankunft. Dort wurde er von seinem sechsjährigen Sohn abgeholt wurde, den er seit einem Jahr nicht mehr gesehen hatte. Nach Auskunft seiner Berliner Galerie Neugerriemschneider wird er «irgendwann in den nächsten Tagen» auch in Berlin erwartet.

Sein Abflug aus Peking war begleitet von Wirbel über die Entscheidung der britischen Regierung, dem regimekritischen Künstler ausgerechnet wegen seiner politisch motivierten Inhaftierung 2011 eine kriminelle Vergangenheit zu unterstellen und ihm ein langfristiges Visum zu verweigern. In Großbritannien reagierten Kunstwelt und Menschenrechtler wütend bis enttäuscht darauf, dass Ai Weiwei nur ein Visum für drei Wochen bekommen hat.

Die Regierung zeigte sich von dem Wirbel allerdings unbeeindruckt und ging nicht auf den Fall ein. Aus dem Innenministerium hatte es bislang nur geheißen, über die Bewerbungen würde «nach individuellem Verdienst und gemäß der relevanten Gesetze» entschieden. Kommentatoren kritisierten, dass Großbritannien seine Außenpolitik den wirtschaftlichen Interessen unterordne. Der Fall Ai Weiwei passe ins Muster, sagte etwa Philip Stephens von der «Financial Times». Die China-Politik werde eher im Finanz- als im Außenministerium gemacht.

Die Briten bemühen sich intensiv um chinesische Investitionen und Märkte. Im März war Prinz William zu Besuch im Reich der Mitte, im Oktober wird Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in London erwartet. Es wird allgemein angenommen, dass die Regierung sichergehen wollte, dass Ai Weiwei dann nicht mehr im Land ist und sich etwa Protestkundgebungen anschließen kann.

Nur wenige chinesische Zeitungen berichteten am Freitag über Ai Weiweis Reise in den Westen. Und wenn doch, dann hoben sie vor allem auf die britische Visa-Verweigerung ab. Der Künstler wollte zur Eröffnung seiner Ausstellung in der Royal Academy of Arts (RA) vom 19. September bis 13. Dezember nach London reisen. Ob er tatsächlich an der Veranstaltung teilnehmen wird, hatte er am Donnerstag am Münchner Flughafen noch offen gelassen.