Airbus bläst mit erstem US-Werk zum Großangriff auf Boeing

Mit dem ersten eigenen Endmontagewerk in den USA attackiert der europäische Flugzeugbauer Airbus den großen Rivalen Boeing auf dessen Heimatmarkt.

Airbus bläst mit erstem US-Werk zum Großangriff auf Boeing
Markus Scholz Airbus bläst mit erstem US-Werk zum Großangriff auf Boeing

«Airbus ist jetzt der erste wirklich global aufgestellte, und auch ein echter amerikanischer Flugzeughersteller», sagte der für die Verkehrsflugzeugsparte zuständige Airbus-Chef Fabrice Brégier bei der Eröffnung der neuen Fertigungsstätte in Mobile im US-Staat Alabama. Airbus baut auf 470 000 Quadratmetern großen Areal künftig Mittelstreckenjets der A320-Familie zusammen.

Airbus will seinen US-Marktanteil mithilfe des Werks von 40 auf 50 Prozent steigern. Im Frühjahr 2016 soll der erste Flieger ausgeliefert werden. Die 600 Millionen Dollar (529 Mio Euro) teure Fabrik soll in und um Mobile 1000 Jobs schaffen.

«Das Werk ermöglicht uns, näher an US-Kunden und wichtige Zulieferer heranzurücken», sagte Brégier. Zudem sollen die Produktionskosten gesenkt und Wechselkursrisiken ausgeschaltet werden, da Flugzeuge weltweit in US-Dollar gehandelt werden.

Über Jahrzehnte waren die Fluggesellschaften aus den USA ziemlich heimatverbunden. Ihre Flugzeuge kauften sie vorwiegend bei Boeing und lange auch bei McDonnell Douglas, bis dieser Hersteller 1997 mit seinem größeren heimischen Konkurrenten fusionierte.

Die alten Maschinen aus den 1980er und 1990er Jahren stellen noch heute einen beträchtlichen Anteil der Flotten bei den US-Airlines. Vor allem auf den Inlandsstrecken sind viele Exemplare der McDonnell Douglas MD-80 oder der alten Boeing 737 Classic unterwegs, die schon wegen ihres Kerosindursts in Europa kaum mehr zu sehen sind.

Die Erneuerung dieser Flotten will Airbus nicht Boeing überlassen, denn die USA gelten als weltgrößter Markt für diese Flugzeugklasse. Mehr als 20 000 neue Flugzeuge dieser Größe würden in den kommenden Jahren weltweit gebraucht, schätzt Airbus, davon 4700 in Nordamerika.

Wer statt des Konkurrenzmodells Boeing 737 den Airbus A320 kauft, bestellt möglicherweise auch den neuen Großraumjet A350, so die Hoffnung, oder gar die doppelstöckige A380, für die Airbus schon länger händeringend nach Interessenten sucht.

Bei der A320-Familie kann sich das Unternehmen vor Aufträgen hingegen kaum retten: Mehr als 5000 Maschinen sind bestellt, viele davon auch in den Kurz- und Langversionen A319 und A321. Die Werke in Hamburg, Toulouse und im chinesischen Tianjin laufen an der Grenze ihrer Kapazitäten. Von derzeit zusammen 42 Maschinen pro Monat soll die Produktion bis 2018 möglicherweise auf 63 Flugzeuge wachsen. Vier davon sollen dann aus Alabama kommen und vor allem an Gesellschaften aus den USA ausgeliefert werden.

Auch die spritsparende Neuauflage des Mittelstreckenjets, die A320neo, soll ab 2017 in den USA entstehen. Mit der Vorstellung des Fliegers hatte Airbus Boeing unter Druck gesetzt, so dass der US-Konzern seinem Verkaufsschlager 737 mit dem Zusatz «MAX» und moderneren Triebwerken ebenfalls zum Spritsparen umerziehen soll. Im Vergleich zu den Uralt-Fliegern wie der MD-80 sollen sie laut Branchenangaben sogar rund 30 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen.

Geht es nach Airbus-Group-Chef Thomas Enders, soll der Vorstoß in den USA auch dem Militärtransporter A400M zugutekommen. «Die US-Streitkräfte werden spätestens im nächsten Jahrzehnt der größte Kunde für das Flugzeug», hatte er im Juni der «Wirtschaftswoche» gesagt. Noch 2011 hatte Airbus einen Jahrhundertauftrag über 179 Tankflugzeuge für die US-Streitkräfte nach langem Ringen an Boeing verloren. So etwas soll nicht noch einmal passieren.