Airbus punktet in Japan mit A350

Der Flugzeugbauer Airbus schafft mit einem Milliardenauftrag von Japan Airlines (JAL) den Durchbruch auf dem japanischen Luftfahrtmarkt. Der bisherige Stammkunde des US-Konkurrenten Boeing bestellt bei den Europäern 31 Exemplare des neuen Langstreckenjets A350.

Dies gaben Airbus-Chef Fabrice Brégier und die JAL-Führung am Montag in Tokio bekannt. Laut Preisliste haben die Flugzeuge einen Wert von 9,5 Milliarden US-Dollar (7,0 Mrd Euro). Bei Flugzeugbestellungen sind allerdings Nachlässe im zweistelligen Prozentbereich üblich. Die Auslieferung soll im Jahr 2019 anlaufen. Hinzu kommen Kaufoptionen für weitere 25 Maschinen der Serie.

Der Flugzeugbauer konkretisierte nach der jüngsten Auftragsflut sein Absatzziel für das laufende Jahr. Intern habe sich das Unternehmen Neubestellungen für 1200 neue Flugzeuge zum Ziel gesetzt, sagte Verkaufschef John Leahy am Montag in Barcelona.

Düster sieht dagegen die Bilanz für das doppelstöckige Flaggschiff A380 aus: Von den für 2013 angepeilten 25 Bestellungen ist noch keine einzige festgezurrt. Die Lufthansa bestätigte derweil Berichte, nach denen sie Optionen auf drei A380 nicht ziehen will. Die Vorbestellungen waren im Jahr 2001 vereinbart worden und passten nicht mehr zur aktuellen Flottenplanung, erläuterte ein Lufthansa-Sprecher.

Dagegen konnte Airbus sowohl für die A320-Mittelstreckenjets als auch für den neuen Großraumjet A350 zuletzt zahlreiche Aufträge verbuchen. Das offizielle Jahresziel von mehr als 1000 Aufträgen hat der Flugzeugbauer bereits bis Ende September geknackt.

«Auf diesem Markt unseres Wettbewerbers den Durchbruch zu schaffen, war eines unserer wichtigsten Ziele», sagte Brégier in Tokio. Japan Airlines und der Rivale All Nippon Airways (ANA) sind bisher Großkunden des US-Herstellers Boeing.

Für JAL ist der jetzige Auftrag die erste Bestellung bei Airbus überhaupt. Auch die ANA ist lediglich auf der Mittelstrecke mit Airbus-Maschinen unterwegs. Auf der Langstrecke setzten beide Gesellschaften durchweg auf Boeing.

Die Pannen bei Boeings Langstreckenjet 787 «Dreamliner» hatten beiden Fluglinien zuletzt jedoch Negativschlagzeilen eingebrockt. Anfang des Jahres musste der Flugzeugtyp wegen Brandgefahr an den Lithium-Ionen-Akkus drei Monate lang am Boden bleiben. In einer Maschine der JAL war zuvor ein Feuer ausgebrochen, ein «Dreamliner» der ANA musste wegen eines schmorenden Akkus notlanden. Beide Fluglinien gehörten zu den ersten Kunden des Modells. Das Flugverbot traf sie so schwer wie keine andere Gesellschaft weltweit.

Boeing zeigte sich «enttäuscht» von der Entscheidung der JAL. Allerdings erwarte man, dass die Partnerschaft mit den Japanern weitergehe. JAL betreibt bislang 166 Boeing-Jets.

Der Airbus A350 konkurriert sowohl mit dem «Dreamliner» als auch mit Boeings langjährigem Verkaufsschlager 777. Seit ihrem Jungfernflug im Juni hat der A350 auf rund 60 Flügen mehr als 300 Flugstunden absolviert. Mit der Order aus Japan hat Airbus nun verbindliche Bestellungen für 756 Maschinen des Typs eingesammelt.

Das sichert auch Beschäftigung in den deutschen Werken. Nach rund 3000 zusätzlichen Stellen in den vergangen beiden Jahren seien auch 2013 weitere Mitarbeiter hinzugekommen, sagte ein Airbus-Sprecher in Hamburg der dpa. Rund 18 000 Mitarbeiter hat das Unternehmen nach eigenen Angaben aktuell, genauere Zahlen für 2013 lägen aber erst zum Jahresende vor.

Für den A350 werden in Hamburg Großteile des Rumpfes gefertigt und ausgerüstet. In Stade wird die obere Flügelschale aus Kohlefaser hergestellt. In Bremen erhalten Flügel ihre technische Ausstattung. Buxtehude ist für die Kabinenelektronik zuständig.