Airlines meiden Sinai, Urlauber sitzen fest

Aus Angst vor Terroranschlägen haben internationale Airlines ihre Flüge zum ägyptischen Badeort Scharm el Scheich ausgesetzt.

Die britische Regierung hatte zuvor erklärt, nach dem Absturz des russischen Ferienfliegers auf dem Sinai sei ein terroristischer Hintergrund immer wahrscheinlicher. Laut russischen und ägyptischen Behörden steht die Ursache des Unglücks mit 224 Toten jedoch noch nicht fest: Die Ermittlungen könnten eventuell Monate dauern, sagte der Chef des russischen Luftfahrtamts, Alexander Neradkono.

Tausende Urlauber sitzen in dem beliebten ägyptischen Badeort auf der Sinai-Halbinsel wegen der Flugstreichungen fest. Sie wurden von Reiseveranstaltern kostenlos in Hotels untergebracht. In der Region hielten sich nach Informationen aus diplomatischen Kreisen bis zu 20 000 Briten auf. Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands (DRV) befanden sich dort auch 2000 Deutsche. Auch bei Russen ist das Urlaubsziel sehr beliebt.

Briten können hoffen, am Freitag von ihren Fluglinien in die Heimat geflogen zu werden. Ein britisches Team und auch britisches Militär seien vor Ort, um für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen. Es würden Sicherheitsmaßnahmen am Flughafen organisiert, fügte der britische Außenminister Philip Hammond hinzu. Dazu gehöre, dass alles, was in die Maschinen gelange, durchleuchtet werde und die Flugzeuge selbst genau überprüft würden. Die dahinterstehende Sorge ist, dass Terroristen einen Sprengsatz in eines der Flugzeuge schmuggeln könnten.

Am Mittwoch hatte die britische Regierung bereits alle Flüge zwischen dem Urlaubsort am Roten Meer und Großbritannien gestoppt. Auch deutsche, irische und niederländische Fluglinien strichen Flüge nach Scharm el Scheich. Wie die Lufthansa in Frankfurt mitteilte, waren zwei geplante Flüge der Gruppe betroffen: Eurowings am kommenden Samstag ab Köln/Bonn und Edelweiss ab Zürich. Beide sind Mitglieder der Lufthansa-Gruppe. Wann die Flüge nachgeholt würden, sei noch nicht entschieden, sagte eine Sprecherin von Eurowings. Schon seit dem vergangenen Samstag umfliegen die Fluggesellschaften der Lufthansa Gruppe den Sinai.

Flugzeuge der Air Berlin und ihrer österreichischen Tochter Niki machen wegen des Flugzeug-Absturzes auf dem Sinai ebenfalls einen Bogen um die ägyptische Halbinsel. Der nächste Vollcharter-Flug von Niki nach Scharm El Scheich an diesem Samstag werde derzeit überprüft. Die Unternehmen Condor und Tuifly umfliegen die Halbinsel ebenfalls. Scharm el Scheich sei von diesen Airlines auch vorher nicht angeflogen worden, teilte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrsgesellschaft (BDL) mit.

Der britische Regierungschef David Cameron und Russlands Präsident Wladimir Putin berieten telefonisch über das Unglück. Es sei wichtig, bei der Bewertung der Ereignisse die aktuellen Ermittlungsergebnisse zu berücksichtigen, sagte Putin laut Kreml-Mitteilung.

Cameron hatte hingegen vor dem Telefonat gesagt: «Wir können nicht sicher sein, dass das russische Passagierflugzeug von einer terroristischen Bombe zum Absturz gebracht wurde, aber es sieht mit zunehmender Wahrscheinlichkeit so aus, als sei das der Fall gewesen».

Die Regierung in Kairo wies die Vermutungen über einen Anschlag zurück: Die Ermittler hätten dafür bisher keine Belege gefunden, sagte der ägyptische Minister für zivile Luftfahrt, Hussam Kamal. Anderslautenden Aussagen seien nur Hypothesen. Ein Anschlag wäre verheerend für die ägyptische Tourismusbranche, einem der wichtigsten Devisenbringer des Landes.