Aktivisten: Vormarsch der IS in Kobane gebremst

Luftschläge der internationalen Koalition und eine kurdische Offensive haben die vorrückende IS-Terrormiliz in der syrischen Stadt Kobane vorerst gebremst. Kämpfer des Islamischen Staates (IS) seien aus Straßenzügen im Osten der Ortschaft vertrieben worden.

Aktivisten: Vormarsch der IS in Kobane gebremst
Sedat Suna Aktivisten: Vormarsch der IS in Kobane gebremst

Das teilte die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Kurdische Aktivisten sprachen von weiter heftigen Kämpfen. Die dramatische Lage der Stadt an der Grenze zur Türkei bringt auch die Regierung in Ankara in Bedrängnis.

Im kurdisch dominierten Südosten der Türkei kamen bei Demonstrationen für den Schutz Kobanes mindestens 14 Menschen ums Leben, wie örtliche Medien übereinstimmend berichteten. Die meisten der Opfer seien bei Zusammenstößen zwischen Islamisten und Anhängern der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK getötet worden.

Die türkische Regierung rief zum sofortigen Ende der gewalttätigen Demonstrationen auf. «Wir werden keine Toleranz gegenüber gewalttätigen Protesten oder Vandalismus zeigen», sagte der stellvertretende Ministerpräsident Yalcin Akdogan nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu. Er wies Vorwürfe von Seiten der Demonstranten über mangelndes Engagement der Türkei zum Schutz von Kobane als «große Lüge» zurück.

Bislang haben die an der Grenze stationierten türkischen Truppen nicht in die Kämpfe eingegriffen. Das Parlament in Ankara hatte der Regierung jedoch das Mandat erteilt, militärisch gegen Terrorgruppen in Syrien und im Irak vorzugehen. Erfasst werden dabei nicht nur der IS, sondern grundsätzlich auch kurdische Gruppen wie die PKK, die von der Türkei als terroristisch eingestuft werden.

Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) kritisierte die Regierung in Ankara. Im ARD-Morgenmagazin sagte sie, IS-Kämpfer würden in türkischen Krankenhäusern behandelt und Waffen über türkisches Gebiet geliefert. «Da muss die NATO jetzt mal auf den Tisch hauen und sagen: Es kann nicht sein, dass der NATO-Partner Türkei eine solche dreckige Politik betreibt.» Offensichtlich wolle Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan die Kurden in der Region um Kobane in ihrer Selbstständigkeit schwächen.

Der neue Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg wird an diesem Donnerstag zu Gesprächen über den Kampf gegen IS in der Türkei erwartet. In Ankara will er unter anderem Erdogan treffen, wie das Verteidigungsbündnis mitteilte. Sollte die Terrormiliz IS von Kobane in Richtung Türkei vorrücken, könnte Ankara den Bündnisfall ausrufen, der Nato-Partner zur Verteidigung der Türkei verpflichten würde.

Die syrischen Kurden baten die internationale Gemeinschaft eindringlich um schwere Waffen. «Jeder sagt «wir stehen Euch bei»», sagte der Ko-Präsident der syrischen Kurden-Partei PYD, Salih Muslim, der türkischen Zeitung «Hürriyet Daily News. Kein Land unternehme dafür aber konkrete Schritte.

Muslim forderte von der Türkei einen Korridor für Kämpfer der Volksschutzeinheiten (YPG), die in Enklaven östlich und westlich der vom IS umstellten Stadt Kobane einsatzbereit seien. «Unsere bewaffneten Kämpfer in Afrin und Cizre warten darauf, sich den Kämpfern in Kobane anzuschließen. Aber wir müssen türkisches Territorium nutzen, um diese Kämpfer nach Kobane zu bringen.»

In der Krisenregion gab es laut kurdischen Medien Luftangriffe auch auf Stützpunkte der Terrormiliz auf dem strategischen wichtigen Hügel von Mischtanur. Dabei seien auch Waffendepots zerstört worden. Im Südwesten der Stadt Kobane hätten Dschihadisten hingegen einige Gebäude übernommen. Nach wochenlangen Kämpfen waren IS-Dschihadisten am Montag in die für Kurden strategisch und symbolisch wichtige Stadt Kobane (Arabisch: Ain al-Arab) eingedrungen.

Bei Zusammenstößen zwischen Kurden und radikalen Muslimen sind auch in Deutschland mehrere Menschen verletzt worden. In Hamburg gab es nach Feuerwehrangaben acht Verletzte, als etwa 400 Kurden nach einer Demonstration auf etwa 400 radikale Muslime stießen. In Celle kam es erneut zu Ausschreitungen zwischen rund 400 jesidischen Kurden und muslimischen Tschetschenen.