Al-Kaida-Kämpfer setzen sich im Westen des Iraks fest

Die USA sind besorgt über die Entwicklung in der westirakischen Provinz Anbar. Die «Barbarei» der Kämpfer der Al-Kaida-nahen Organisation Islamischer Staat im Irak und in Syrien (ISIS) gegen Zivilisten sei für alle sichtbar, hieß es aus dem Außenministerium in Washington.

Al-Kaida-Kämpfer setzen sich im Westen des Iraks fest
Mohammed Jalil Al-Kaida-Kämpfer setzen sich im Westen des Iraks fest

Man arbeite mit der Regierung in Bagdad zusammen, um eine offen angekündigte Revolte irakischer Stammesführer gegen ISIS «mit allen möglichen Mitteln» zu unterstützen.

Die westirakische Stadt Falludscha wird mittlerweile offensichtlich von der ISIS kontrolliert. «Alles ist ausgestorben wie in einer Geisterstadt», sagte ein Bewohner des Ortes 70 Kilometer westlich von Bagdad am Samstag. «Alle Läden sind geschlossen, und auf den Straßen ist niemand zu sehen außer den Militanten.» Häufig seien Schüsse zu hören.

Am Freitag seien bei Kämpfen zwischen Al-Kaida und sunnitischen Stammesangehörigen in Falludscha und Ramadi mindestens 80 Menschen getötet worden, berichtete der US-Nachrichtensender CNN unter Berufung auf einen hohen Regierungsbeamten in Ramadi. 69 der Toten seien ISIS-Kämpfer gewesen.

Zahlreiche Menschen seien auf der Flucht, erzählte ein Mitglied des Gemeinderats dem irakischen TV-Sender Alsumaria News. «Etwa 9000 der 31 000 Familien sind vor den heftigen Kämpfen aus der Stadt geflüchtet», sagte der Mann namens Faleh al-Eissawi. Die humanitäre Lage in der Stadt sei bedenklich, da die Grundversorgung nicht mehr sichergestellt sei.

Die Al-Kaida-Extremisten hatten bereits am Donnerstag Teile von Falludscha besetzt. Regierungsmedien in der irakischen Hauptstadt meldeten am Freitag, Truppen aus Bagdad hätten die Extremisten aus den von ihnen okkupierten Polizeiwachen vertrieben. Offenbar zogen sich die Einheiten aber danach wieder aus Falludscha zurück, so dass die Militanten erneut einrücken konnten.

Unübersichtlich blieb die Lage in der 40 Kilometer entfernten Provinzhauptstadt Ramadi. Regierungstruppen hatten dort bei Kämpfen am Freitag den lokalen ISIS-Kommandeur Abu Abdelrahman al-Bagdadi getötet.

Die westlich der Hauptstadt Bagdad gelegene Provinz Anbar ist mehrheitlich sunnitisch bevölkert, während die Regierung in Bagdad und ihre Sicherheitskräfte schiitisch dominiert sind. Die Sunniten in Anbar fühlen sich von der Regierung diskriminiert.

Zu Wochenbeginn hatten die Regierungstruppen Protestcamps unzufriedener Bürger in Ramadi und Falludscha gewaltsam aufgelöst. Das chaotische Vorgehen der Einheiten aus Bagdad hatte es der ISIS ermöglicht, in die Städte einzudringen und das Gesetz des Handelns an sich zu reißen.