Albino-Musiker in Kamerun rappen gegen Vorurteile

Albino-Musiker in Kamerun rappen gegen Vorurteile
Ngala Chimtom Albino-Musiker in Kamerun rappen gegen Vorurteile

So beliebt waren die Brüder nicht immer. Ihre Kindheit auf dem Land war von Einsamkeit geprägt. Die beiden sind Albinos und wurden von ihren Mitschülern ausgegrenzt. Ihre Eltern sorgten sich ständig um die Sicherheit der beiden Jungen.

«Wir hörten Geschichten von Albinos, die getötet und den Göttern geopfert wurden», sagen die 31-Jährigen Brüder, die in dem nordwestlichen Dorf Bali groß geworden sind. «Es war gefährlich, als Albino aufzuwachsen.» Zum einen werden Albinos als Unglücksbringer diskriminiert, zum anderen werden sie nach Angaben der Vereinten Nationen für ihre Körperteile gejagt, die in vermeintlichen Zaubertränken und Glücksbringern verarbeitet werden.

Albinismus ist genetisch bedingt. Den betroffenen Menschen fehlt das Pigment Melanin, das Haut, Haar und Augen ihre Farbe gibt. Gewalttätige Angriffe gegen Albinos gibt es aber nicht nur in Kamerun im Westen Afrikas, sondern auch in anderen Ländern des Kontinents - wie etwa dem Kongo, Burundi, der Elfenbeinküste, Kenia, Malawi, Tansania und Mosambik. Die kanadische Non-Profitorganisation Under the Same Sun zählte seit 1998 fast 500 Angriffe auf Albinos in 26 afrikanischen Ländern. Demnach wurden rund 185 der Opfer getötet.

Das Büro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte (OHCHR) bezeichnet den Handel mit Körperteilen von Albinos als «lukrativen und makabren Markt». Ein Arm oder ein Bein sind Berichten zufolge ab 2000 Dollar (1791 Euro) zu haben, ein kompletter Körper kostet bis zu 75 000 Dollar (67 157 Euro). Viele der Opfer sind laut dem UN-Büro Kinder, weil die Täter glaubten, dass die Körperteile unschuldiger Menschen im Zaubertrank besser wirken.

Um ihre Söhne zu schützen, haben die Eltern von René und Clifford die Zwillinge soviel wie möglich im Haus behalten. Auf der Straße wurden sie beschimpft, in der Schule wollte niemand neben ihnen sitzen. Als Teenager wollte keines der Mädchen mit ihnen ausgehen. In ihrer Einsamkeit und Isolation schrieben die Brüder viele Verse und Gedichte. «Wir mussten all die Wut und all die Frustration auf Papier bringen», erklärt René.

Vor ein paar Jahren gaben sie sich die Künstlernamen Mr Flash und Risky und traten mit ihrer «weißen afrikanischen Musik» in Bars und Clubs auf. Die englischen Liedtexte handeln vom Schmerz des Stigmas und der Diskriminierung, den Folgen der Ignoranz, und wie man sie überwindet.

«Jetzt bezahlen Leute dafür, unsere Auftritte zu sehen», sagt Clifford. Statt die Brüder zu beleidigen, stünden die Menschen Schlange, um Selfies mit den Rappern zu machen, berichtet René. Mädchen, die sie früher ignoriert hätten, umschwärmten sie jetzt. «Es ist Wahnsinn, wie sich die Dinge verändert haben.» Die Brüder hoffen, dass ihre Musik die Kultur der Ignoranz Schritt für Schritt verändern wird, nicht nur in Kamerun, sondern in ganz Afrika, sagt Clifford.