Alles oder Nichts für Schalke

 Die Horror-Vision von Schalke-Manager Horst Heldt könnte Wirklichkeit werden. Wenn die Königsblauen auch die Europa League verpassen, müssen die hoch bezahlten Fußball-Knappen in der nächsten Saison zum Geldverdienen über die Dörfer tingeln.

Alles oder Nichts für Schalke
Stefan Puchner Alles oder Nichts für Schalke

«Jetzt ist es wichtig, in diesen Wettbewerb reinzukommen. Es ist besser, als viele Freundschaftsspiele zu bestreiten», sagte Heldt nach dem 0:0 gegen den SC Freiburg, mit dem sich das Thema Champions League praktisch erledigt hat. «Klar ist aber auch: In dieser Form ist die Europa League überhaupt nicht gesichert. Das war zu pomadig.»

Schließlich war der Auftritt des Bundesliga-Fünften gegen den Abstiegskandidaten nur ein weiteres Zeugnis des spielerischen Niedergangs auf Schalke. 270 Minuten gelang kein Tor mehr, in elf Rückrundenspielen nur neun Treffer und seit vier Partien kein Sieg mehr. «Wir müssen definitiv mehr nach vorne machen, um Spiele zu gewinnen», meinte 04-Trainer Roberto Di Matteo, der beim Amtsantritt im Oktober 2014 erstmal defensive Stabilität verordnete, eher ratlos.

Ein Rätsel ist auch die Ladehemmung der beiden Topstürmer. Klaas-Jan Huntelaar traf seit 1008 Minuten nicht mehr, Eric Maxim Choupo-Moting seit 900 Minuten. «Stürmer leben halt von Toren», stellte dazu Di Matteo wenig aufschlussreich fest. «Wenn man eine gewisse Zeit kein Tor schießt, gibt das im Kopf etwas zu bedenken.»

Entsetzt sind inzwischen die Schalke-Fans, die ihre Mannschaft nach der Nullnummer wütend auspfiffen. «Wir haben vieles vermissen lassen: Spielfreude, Leichtigkeit, Aggressivität», urteilte Kapitän Benedikt Höwedes. «Jetzt schauen wir, dass wir noch in die Europa League kommen.» Glück hatte der zurzeit attraktionsfreie Revierclub, dass der SC Paderborn gegen den Europacup-Rivalen FC Augsburg (2:1) gewann und damit zumindest der Verbleib auf Platz fünf gesichert war.

Hoffnung auf Besserung im Liga-Endspurt gibt, dass gleich drei Langzeitverletzte ihr Comeback gaben. Sead Kolasinac kehrte nach fast acht Monaten und Jefferson Farfán nach gut einem Jahr in die Startelf zurück. Nach 162 Tagen durfte auch Weltmeister Julian Draxler nach auskuriertem Sehnenabriss im Oberschenkel für 14 Minuten mitwirken.

«Für mich persönlich war das Spiel ein Erfolgserlebnis», sagte der 21-jährige Mittelfeldspieler, der jedoch über die Punkteteilung enttäuscht war. «Ohne Frage hätte ich mir bei meinem Comeback ein besseres Ergebnis gewünscht. Das ist nicht unser Anspruch.»

Für Trainer Di Matteo war die Rückkehr des Trios «ein positives Signal für die Zukunft». Dass er lieber den längst nicht in Topform befindlichen Draxler in der Endphase der Partie einwechselte und nicht den vielleicht durchschlagskräftigeren Kevin-Prince Boateng begründete er so: «Am Schluss wollte ich das Spiel nicht verlieren.»

Die wackeren Freiburger haderten dagegen damit, die Partie nicht gewonnen zu haben. Die Chance zum dritten Sieg in Serie vergab Julian Schuster, der einen Foulelfmeter über das Tor schoss (58.). «Es ist nicht die beste Woche für mich, was Elfmeter angeht - hinten wie vorne», sagte Schuster. Vier Tage zuvor hatte er beim Pokal-Aus in Wolfsburg (0:1) den entscheidenden Strafstoß verursacht.

«Ein Punkt auf Schalke ist okay. Damit haben wir nur einen kleinen Schritt gemacht, zu sicher dürfen wir uns nicht sein», warnte Freiburgs Torwart Roman Bürki vor dem finalen Kampf um den Klassenverbleib. Vor den letzten sechs Saisonspielen stehen die Freiburger nur zwei Punkte vom Relegationsplatz entfernt auf Rang 14. «Es wird ein gnadenloser Kampf bis zum letzten Spieltag», erwartet SC-Trainer Christian Streich.