Alles was deep ist: Musiklabel Ornaments aus Berlin

Die Globalisierung von Techno- und House-Musik und das mittlerweile kaum mehr überschaubare Angebot an neuen DJs, Produzenten, Tracks und Labels erschwert die Orientierung bei der Suche nach guter und relevanter elektronischer Musik.

Alles was deep ist: Musiklabel Ornaments aus Berlin
Alles was deep ist: Musiklabel Ornaments aus Berlin

Höchste Zeit also, auf diesem unübersichtlichen Marktplatz einen genaueren Blick auf die Musik-Macher zu werfen, die schon vor dem Hype herausragende elektronische Musik herausgebracht haben und dies auch danach tun werden. Den Anfang macht ein Porträt des Musiklabels Ornaments, das seit mehr als sechs Jahren aktiv ist.

Das Berliner Label Ornaments wurde als Vinyl-Only-Plattform für elektronische Musik im Jahr 2008 gegründet. Marko Fürstenberg war unter der Katalognummer 001 mit drei Remixen der erste Künstler, der auf Ornaments erschien. Gut sechs Jahre später ist das Label bereits bei der 33. Veröffentlichung angekommen.

Das musikalische Portfolio von Ornaments wird häufig mit Dub Techno - einer atmosphärischen, verhallten und häufig bassgewaltigen Spielart der elektronischen Musik - gleichgesetzt. Auf diese Einordnung angesprochen sagte Label-Chef Martin im Interview: «Viele haben Ornaments am Anfang ja nur als Dub-Techno-Label gesehen, aber das wäre mir persönlich zu wenig. Es gibt so viele Spielwiesen die ich mag. Ich finde es toll, dass man auch mal Ambient oder Downbeats machen kann und nicht nur tanzbare Sachen.»

Mit der Labelgründung wollte Martin primär eine Plattform für seine ganz eigenen musikalischen Vorlieben schaffen und der Musik dabei vor dem Label, dem Label-Macher und auch vor den Künstlern den absoluten Vorrang lassen. «Keine Promo, keine Werbung, kein Hype» war das Motto. «Heute ist es ja leider so, dass viele Künstler ein Label gründen, um mehr Präsenz zu kriegen und um ihre eigene Karriere voranzubringen. Auch bei vielen etablierten Labels ist es mittlerweile wichtiger, tolle Videos von Rooftop-Partys oder Festivals in den sozialen Netzwerken zu verbreiten, als sich um die Musik zu kümmern. Das alles sollte Ornaments nicht werden.»

Gesagt, getan: Im Mai 2008 wurde «Selected Remixes» mit drei Remixen von Marko Fürstenberg auf halbtransparentem, marmoriertem Vinyl veröffentlich. Drei weitere Scheiben von I-Robots, Sascha Dive und Mod.Civil folgten noch im selben Jahr. Die Nummer 011 markierte 2009 mit der «Ornaments Symphony» den ersten CD-Sampler des Labels, der alle bis dahin nur auf Vinyl erhältlichen Tracks enthielt. Unter der Katalognummer 020 erschien 2011 das erste Album auf Ornaments von Carlos Nilmmns und mit der 033 wurde erst im November die EP des Label-Neuzugangs French Touch veröffentlicht.

Auf den bisherigen Output des Labels zurückblickend, ist Marko Fürstenbergs «Selected Remixes» eine der Veröffentlichungen, die die Identität von Ornaments sicherlich wesentlich prägte. Die A-Seite bietet einen für die Ewigkeit gemachten Dub-Techno-Track mit einem fantastischen Break, der das Publikum langsam aber unausweichlich auf die Tanzfläche zerrt. Ähnlich überzeugend, allerdings im Genre TechHouse verortet, ist Mod.Civil's Veröffentlichung «Einfachheit gewinnt», die klickernd, stampfend und orgelnd zum Tanz bittet und im letzten Drittel mit einer schön-wahnsinnigen Einspielung überrascht. Ein Ornaments-Meilenstein der jüngeren Geschichte ist das Album «Behind» von youAND:THEMACHINES, auf dem mit der Unterstützung namhafter Gastmusiker - und ohne die Verwendung eines einzigen Samples - auf sechs Vinyl-Seiten dem Dub Techno gehuldigt wird.

Angesprochen auf seine Auswahlkriterien für Ornaments-Veröffentlichungen sagt Martin: «Alles was mir gefällt, was deep ist und Soul hat. Es muss irgendwie eine Seele haben und Gefühle transportieren.» Ein wichtiger Faktor sei weiterhin die Zeitlosigkeit der Tracks: «Ich bin von viel Musik am Anfang begeistert. Aber wenn ich die dann ein bis zwei Monate gehört habe, dann nervt die mich vielleicht und besteht meine persönliche Zeitlosigkeit nicht. Und es ist auch gut wenn man sich lange Zeit lässt, weil ich dann auch 120% hinter jeder Platte stehen kann.»

Bei der Auswahl der veröffentlichenden Künstler achtet der Label-Chef auf ein gutes persönliches Verhältnis und musikalische Leidenschaft: «Ein persönlicher Kontakt gehört für mich dazu. Es muss auch einfach menschlich passen.» Und weiter: «Außerdem ist es wichtig, dass man richtige Künstler hat, die Musik leben und lieben und das nicht aus falschen Beweggründen machen.»

Die Entdeckung neuer Künstler oder den jährlichen Label-Output hat Martin von Beginn an einfach auf sich zukommen lassen. Es gibt keinen Business Plan und keine jährliche Mindestanzahl an Veröffentlichungen. Trotz dieser fehlenden Planung war, auch wegen der großen und loyalen Fanbasis von Ornaments, bisher keine einzige Veröffentlichung ein finanzieller Flop. Als Dank an die treuen Käufer wird das vom Label verdiente Geld direkt wieder in die nächste Platte beziehungsweise eine aufwendige Album-Verpackung gesteckt.

Ein gutes Beispiel für die detailverliebte Verpackung von Ornaments-Alben ist das Remix-Album «Behind Reshaped», das in drei Vinyl-Editionen, zwei Kassetten-Editionen und einer CD-Version produziert wurde. Die aufwendigste Vinyl-Edition enthält dabei drei rot-marmorierte Schallplatten in einem handbemalten Gatefold-Cover und ist auf eine Stückzahl von 66 limitiert. Dazu meint Martin: «Bei Alben haben wir schon immer versucht durch eine spezielle Verpackung etwas Besonderes zu bieten, weil wir halt selber Vinyl-Nerds sind. Da gibt es ja ganz viele, die genauso sind. Ich glaube, das ist von Verrückten für Verrückte.»

Trotz der immer noch deutlichen Vinyl-Ausprägung des Labels machte das veränderte Kaufverhalten der Hörer und DJs auch vor Ornaments nicht halt. Mit dem 2013 erschienen «Behind»-Album veröffentlicht Ornaments ausgewählte Releases auch erstmals digital. Schon vorher hatten Martin andere Ornaments-Künstler darauf angesprochen, die das Vinyl-Only-Konzept des Labels immer mehr als Limitierung ansahen. «Wir waren ja ganz lange Vinyl Only und haben das auch ziemlich offensiv vertreten», beschreibt der Label-Chef die Situation. «Wenn man als Label an den Punkt kommt, wo man Alben macht und der Künstler da Monate oder Jahre dran gearbeitet hat, dann möchte man ihm auch die bestmögliche Reichweite bieten. Ein Album wird ja auch von Leuten gehört, die keine DJs sind oder an anderen Ecken der Welt nicht an Schallplatten kommen.»

Trotz der stetigen Veränderungen des Marktes und einer explodierenden Anzahl an neuen Musiklabels und Veröffentlichungen sieht Martin die Zukunft seines Labels sehr entspannt. Ornaments hat sich über die Jahre hinweg eine solide Basis von Fans geschaffen, die den geschmackssicheren, hochwertigen und zeitlosen Output des Labels schätzt. Martin bestätigt diese Erwartungshaltung und bringt sie einfach auf den Punkt: «Wenn gute Musik da ist, dann wird die auch veröffentlicht!»