Altkanzler Kohl will Ungarns Premier Orbán treffen

Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU) wird in Kürze mit dem umstrittenen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán zusammentreffen. Das sagte Kohl der «Bild»-Zeitung.

Altkanzler Kohl will Ungarns Premier Orbán treffen
Michael Kappeler Altkanzler Kohl will Ungarns Premier Orbán treffen

Den genauen Termin und die Umstände des Treffens nannte Kohl nicht.
Wie «Bild» weiter schreibt, verteidigte Kohl Orbán ausdrücklich gegen die internationale Kritik an dessen politischem Kurs. Orbán gehört zu den schärfsten europäischen Gegnern der Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Die Zeitung zitiert zudem aus einem demnächst erscheinenden Buchbeitrag Kohls zur europäischen Politik. «Einsame Entscheidungen, so begründet sie dem Einzelnen erscheinen mögen, und nationale Alleingänge müssen der Vergangenheit angehören. Sie sollten im Europa des 21. Jahrhunderts kein Mittel der Wahl mehr sein, zumal die Folgen von der europäischen Schicksalsgemeinschaft regelmäßig gemeinsam getragen werden müssen», schreibt Kohl in dem Aufsatz, der anlässlich der Verleihung des Aachener Karlspreises an Papst Franziskus am 6. Mai im Vatikan veröffentlicht werden soll.

Nach einem Besuch des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) bei Orbán Anfang März in Budapest waren auch aus der CDU kritische Stimmen an dem Treffen mit dem ungarischen Regierungschef laut geworden. Orbán wird von vielen europäischen Institutionen und Nachbarn außerdem vorgeworfen, die Pressefreiheit in seinem Land drastisch eingeschränkt zu haben.

Helmut Kohl äußerte sich anlässlich seines 86. Geburtstags am 3. April erstmals zu seinem Gesundheitszustand. Ihm falle das Sprechen und Schlucken noch schwer, sagte der CDU-Politiker. Kohl hatte sich im vergangenen Jahr erst einer Hüft-Operation und dann einem Eingriff am Darm unterziehen müssen. In der Folge kam es zu weiteren gesundheitlichen Komplikationen.

Seit Oktober 2015 lebt Kohl wieder in seinem Haus in Ludwigshafen-Oggersheim und wird dort unter anderem von seiner Frau Maike Kohl-Richter (51) betreut. Beinahe täglich, vertraute Kohl «Bild» an, trainiere er nun auf dem Ergometer. Fernsehen schaue er kaum noch, nur Nachrichten und gelegentlich Fußball. Von einem Arzt begleitet, habe der auf einen Rollstuhl angewiesene Kohl bereits wieder einige Ausflüge unternommen, so an Weihnachten zum Speyerer Dom und an den Rhein. Als seinen Geburtstagswunsch gab Kohl an:
«Kraft. Und noch ein paar gute Jahre.»