Amoklauf von München: Ermittlungen laufen auf Hochtouren

Zwei Tage nach dem Amoklauf von München hat sich die Zahl der Verletzten weiter erhöht. Derzeit sei von insgesamt 35 Verletzten auszugehen, teilte ein Sprecher des Landeskriminalamtes am Sonntag in München mit. Zehn von ihnen gelten weiter als Schwerverletzte.

Amoklauf von München: Ermittlungen laufen auf Hochtouren
Andreas Gebert Amoklauf von München: Ermittlungen laufen auf Hochtouren

Am Freitagabend hatte ein 18 Jahre alter Schüler am Olympia-Einkaufszentrum im Nordwesten der bayerischen Landeshauptstadt neun meist junge Menschen erschossen und danach sich selbst. Das genaue Motiv des Deutsch-Iraners ist aber weiter unklar.

Die unfassbare Bluttat sorgt weltweit für Entsetzen und Anteilnahme. In der französischen Hauptstadt Paris erstrahlte der Eiffelturm am Samstagabend in Gedenken an die Opfer in den deutschen Nationalfarben Schwarz, Rot und Gold. Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich am Samstag schockiert gezeigt. «Wir denken an Sie, wir teilen Ihren Schmerz, wir leiden mit Ihnen», sagte sie mit Blick auf die Angehörigen.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann forderte, dass bei Terrorlagen zur Unterstützung der Polizei auch die Bundeswehr eingesetzt werden kann. In extremen Situationen wäre es völlig unbegreiflich, wenn gut ausgebildete Soldaten nicht eingesetzt werden dürfen, obwohl sie bereitstehen, sagte der CSU-Politiker der «Welt am Sonntag». Die Oberhoheit für den Einsatz müsse aber bei der Polizei bleiben. Das Interview mit Herrmann wurde nach dem Axtangriff von Würzburg und vor dem Amoklauf von München geführt.

Während des Amoklaufs in München wurden Feldjäger der Bundeswehr in Bereitschaft versetzt. Die Bereitschaft sei aufrecht erhalten worden, so lange das Ausmaß des Anschlags nicht klar gewesen sei, sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». Über einen Einsatz der Soldaten hätte die Polizei entschieden.

Bei dem schrecklichen Geschehen in München war zunächst über Stunden unklar gewesen, ob es sich nicht möglicherweise um einen terroristischen Anschlag handelt. Deshalb war es auch in der Münchner Innenstadt zu teilweise panikartigen Szenen gekommen. Unter den nun 35 Verletzten sind laut LKA auch einige, die sich dabei Blessuren zugezogen hatten.

Erst nach und nach war klar geworden, dass es sich um die Tat eines Einzelnen handelte. Die Ermittler gehen inzwischen von einem Amoklauf des jungen Deutsch-Iraners aus, der in München geboren wurde. In seinem Zimmer in der elterlichen Wohnung fanden Ermittler Bücher wie «Amok im Kopf. Warum Schüler töten». Den befürchteten Bezug zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gebe es nach bisherigen Erkenntnissen nicht, bestätigte auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU).

Der Täter hatte nach ersten Erkenntnissen von Ermittlern eine Erkrankung «aus dem depressiven Formenkreis». «Wir haben einige Hinweise dafür, dass eine nicht unerhebliche psychische Störung bei dem Täter vorliegen könnte», sagte Bayerns Innenminister Herrmann.

Die Getöteten stammten nach Angaben des Münchner Polizeipräsidenten Hubertus Andrä alle aus München und Umgebung. Zwei 15-Jährige und drei 14-Jährige seien ums Leben gekommen, so die Ermittler. Weitere Opfer seien 17, 19, 20 und 45 Jahre alt gewesen. Unter den neun Todesopfern seien drei Frauen gewesen.