Analyse: Camerons Mühe beim G8-Schaulaufen

Eigentlich wollte David Cameron sich von seiner besten Seite auf der Weltbühne zeigen, sich und sein Land beim G8-Gipfel in Enniskillen ins rechte Licht rücken. Doch eine Spionageaffäre, Russlands Präsident und eine maue Organisation vermiesen ihm den Gipfel-Start.

Analyse: Camerons Mühe beim G8-Schaulaufen
Facundo Arrizabalaga / Pool

Großbritanniens Premier hatte alles so schön geplant. Grüne Wiesen im Norden der irischen Insel, kuschelige Kamin-Atmosphäre im Golf-Resort und Großbritannien als bemühter Gastgeber des Gipfels der sieben führenden Industrienationen und Russlands. Im 13 000-Einwohner-Örtchen Enniskillen haben sie sogar die leerstehenden Schaufenster beklebt, angeblich, damit es für die hochrangigen Gäste nicht so trostlos aussieht.

Cameron, dem in der Heimat eklatante Führungsschwäche nachgesagt wird, wollte die Chance des Gipfels nutzen, um sein Land, die frühere Bürgerkriegsregion Nordirland und vor allem sich selbst der Welt zu zeigen - als Großer unter Großen. Doch der Gipfel in Enniskillen hatte noch nicht begonnen, da erlebte er schon ein kleines Fiasko. Eine vom «Guardian» passend platzierte Spionage-Enthüllung brachte gleich diplomatische Verwicklungen. Die Türkei bestellte den britischen Botschafter ein. Ein politischer Flurschaden sondergleichen.

Und dann auch noch allerlei Organisationspannen. Mitglieder aus Delegationen mehrerer Ländern hasten mit hochroten Köpfen durch die Flure in den Gebäuden rund um den noblen Tagungsort. Ein bisher bei vergleichbaren Veranstaltungen nicht gekanntes Chaos, so ist vielerorts zu hören, rückt die Ausrichter aus der Londoner Downing Street in kein gutes Licht. Überteuerte Hotelpreise, Shuttle-Busse, die nicht fahren, und sich ständig widersprechende Anweisungen machten dem G8-Tross das Gipfel-Leben schwer. In einigen Delegationen macht das böse Wort vom Königreich als «Entwicklungsland» die Runde.

Cameron wollte das Format G8 im Alleingang reformieren. «Zurück zu den Wurzeln» lautete seine Devise: Gespräche im kleinen Kreis, keine Unterzeichnungszeremonien, geringe Kosten. «Er wollte in Zeiten des Sparens bewusst alles kleiner machen», sagt ein Diplomat aus einem G8-Land.

Den Unmut in den Delegationen schmälert das nicht. Als wäre der nicht schon groß genug, platzt der «Guardian» zum Gipfelstart auch noch mit einer Spitzelgeschichte heraus. Britische Spione haben beim letzten großen internationalen Politik-Ereignis auf der Insel im Jahr 2009 ihre Gäste ausgespäht, um den Briten einen Informationssprung bei den Verhandlungen zu verschaffen. Sieht so etwa die feine englische Art aus, mit der Cameron gern punktet?

Da passte es nur zu gut ins Bild, dass ausgerechnet Russlands Präsident Wladimir Putin angeblich vor Wut schäumte. Erst hatte Putin Camerons Kuschel-Versuch in Sachen Syrien am Sonntag brüsk zurückgewiesen. «Wollen Sie etwa Leute unterstützen, die Menschen die Organe herausreißen und sie dann essen?», fragte er in Anspielung auf ein im Internet kursierendes Video über einen Aufständischen die Journalisten - und damit auch gleichzeitig Cameron.

Am Montag legte der Kreml nach: «Wegen Versäumnissen des Gastgebers» habe Putin in London bleiben müssen, ließ Moskau über russische Agenturen verlauten. Die britische Seite sei «nicht ausreichend vorbereitet gewesen, die Staats- und Regierungschefs der G8-Staaten wie geplant am Sonntag in Nordirland zu empfangen». Mehr als nur eine diplomatische Breitseite.

Putin traf sich am besagten Abend dann mit BP-Chef Bob Dudley in der russischen Botschaft in London, um über Ölgeschäfte zu sprechen. Die offiziellen Planungen sahen Putins Ankunft am Lough Erne allerdings ohnehin für Montag vor.

Der britischen G8-Präsidentschaft drohte der Gipfel zu entgleiten, bevor er angefangen hatte. Politische Erfolge scheinen begrenzt: Camerons Syrien-Politik brachte ihm bisher nach außen und innen nur Ärger, sein Kampf gegen Steuerhinterziehung in Offshore-Oasen ist ins Stottern geraten, noch bevor er mit den Kollegen überhaupt darüber diskutieren konnte.

Immerhin rettete das US-Präsidentenpaar all den Nordiren die Ehre, die dem Gipfel-Treiben nur tatenlos und mit der ihnen eigenen Gelassenheit zusehen konnten. Michelle und Barack Obama fassten die Botschaft in Worte, die Großbritannien eigentlich rüberbringen wollte: «Ihr habt den Frieden geerbt, macht was draus!»