Analyse: CSU bringt sich in Stellung

Horst Seehofer will keine Missverständnisse aufkommen lassen. Kein Zweifel soll bleiben, wie stark er die Rolle seiner Partei im neuen Berliner Machtgefüge sieht - in welcher Koalition auch immer.

Analyse: CSU bringt sich in Stellung
Peter Kneffel Analyse: CSU bringt sich in Stellung

Ob die CSU als kleinster Partner in einer großen Koalition von Union und SPD nicht an Macht und Einfluss verlieren werde, wird der CSU-Chef am Morgen nach der Wahl gleich als erstes gefragt. Da entgegnet er: «Um unseren Einfluss in Berlin müssen Sie sich keine Sorgen machen. Den können Sie nicht aus der Mathematik ableiten. Der leitet sich aus anderen Faktoren ab.»

Rein mathematisch gesehen nämlich ist die Lage klar: Bei einer absoluten Mehrheit sowieso, aber auch bei einer Neuauflage von Schwarz-Gelb hätte die CSU deutlich mehr zu melden gehabt als in dem jetzt wahrscheinlichen Bündnis von Union und SPD. Mehr Ministerien, mehr Macht, mehr Einfluss. Nichts, aber auch gar nichts wäre dann ohne die CSU gegangen. In einer großen Koalition dagegen ist die CSU nach CDU und SPD nur drittstärkste Kraft - mit Abstand. «Wenn es eine große Koalition gibt, dann ist die CSU natürlich wesentlich weniger bedeutend», sagt auch die Politikwissenschaftlerin Ursula Münch.

Für Seehofer ist es eine eigenartige Situation: Erst erobert er die Alleinherrschaft in Bayern zurück. Dann, eine Woche später, bringt er die CSU bei der Bundestagswahl wieder nahe an die 50 Prozent heran. Und dann soll er, der er doch in den vergangenen Tagen so schmeichelhafte Schlagzeilen wie «König Horst» und «Sonnenkönig» über sich lesen konnte, in Berlin plötzlich weniger zu melden haben?

Seehofer wischt derlei Bedenken beiseite. Verweist etwa auf die große Durchsetzungskraft, die ein schwarz-rotes Bündnis nicht nur im Bundestag, sondern auch im Bundesrat hätte. Auch derlei müsse doch bitte bei allen Spekulationen bedacht werden. Ein schwarz-grünes Bündnis scheidet für die CSU klar aus.

Andererseits versucht Seehofer nach seinen Wahltriumphen schon einmal vorzubauen. Er will für die CSU das Maximale herausholen. Denn so sehr Seehofer in der Vorstandssitzung als Leitmotiv mehrfach ausgibt, die CSU solle nun als «milder Sieger» auftreten: Mit Blick auf die Koalitionsverhandlungen heben er und andere Parteigrößen einmütig die Bedeutung der CSU innerhalb der Union hervor. Die CSU habe zum Unions-Erfolg einen bedeutsamen Anteil beigetragen, sagt Seehofer selbst.

Generalsekretär Alexander Dobrindt betont sogar: «Die CSU hat den größten Beitrag dazu geleistet, dass Angela Merkel Bundeskanzlerin bleiben kann.» Die CSU gehe verantwortungsvoll mit den eigenen Wahlergebnissen um, wisse aber auch, welche Stärke sich für die Partei daraus ergebe. All das macht klar: Seehofer verlangt von Merkel, dass sie auch auf die CSU hört.

Seehofer ahnt aber offenbar bereits, dass es nicht ganz einfach wird in Berlin. Deshalb kündigt er am Montag an, bei der Besetzung der Kabinettsposten und des Fraktionsvorsitzes in Bayern aufs Tempo drücken zu wollen - um anschließend genug Zeit zu haben, um sich in die Koalitionsgespräche in Berlin einzuklinken: Bis Mitte Oktober sollten «die Dinge in München» zum Abschluss gebracht werden. Er habe das Gefühl, dass er dann viel Zeit brauche. «Außerhalb Münchens.»