Analyse: Durchbruch für Frauen in der Wirtschaft?

Union und SPD haben sich auf eine gesetzliche Quote für Frauen in den Führungsetagen der Wirtschaft geeinigt.

Nach dem Willen der Koalitionsverhandlungsgruppe Familie sollen in Aufsichtsräten großer börsennotierter Unternehmen, die ab 2016 neu besetzt werden, mindestens 30 Prozent Frauen vertreten sein. Das betrifft rund 500 Unternehmen. Darüber hinaus müssen große Unternehmen ab 2015 eigene verbindliche Ziele für die Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsrat, Vorstand und obersten Management-Ebenen definieren und veröffentlichen.

Ein Drittel Frauen in Aufsichtsräten ab 2016. Ist das ein Durchbruch?

Ja und Nein. Es hat auf jeden Fall einen symbolischen Wert nach dem jahrelangen, teils erbitterten Streit. Allein die Union stritt sich intern vehement, die Frauenquote war unter anderem ein Anlass für das Zerwürfnis der CDU-Ministerinnen Ursula von der Leyen und Kristina Schröder. Leyen wollte eine feste Quote für Aufsichtsrat und Vorstände. Schröder brachte eine Flexi-Quote für Unternehmen ins Spiel, deren gesetzliche Verankerung scheiterte allerdings an der FDP. Gestaltungsmacht in Unternehmen haben allerdings vor allem Vorstände - und hier darf sich auch nach dem Kompromiss jedes Unternehmen eigene Zielgrößen geben.

Wer konnte sich nun durchsetzen - Union oder SPD?

Die SPD hatte zuletzt vorgeschlagen, in Aufsichtsräten den Anteil weiblicher Führungskräfte stufenweise auf bis zu 40 Prozent im Jahr 2021 zu erhöhen und favorisierte für Vorstände eine feste Quote. Die Union wollte eine 30-Prozent-Quote für Aufsichtsräte erst 2020. Die SPD kann den früheren Zeitpunkt für sich verbuchen, die Union wiederum, eine feste Quote für Vorstände verhindert zu haben. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe sagte, der Beschluss trage «in wesentlichen Punkten die Handschrift der Union». SPD-Parteivize Manuela Schwesig reklamierte dies auch für die SPD. So laufen Koalitionsverhandlungen.

Wie ist der Stand heute in den Wirtschaftsetagen?

Die Zahl der Frauen in den Führungsetagen der 160 börsennotierten Top-Unternehmen in Deutschland wächst nur sehr langsam. Zwölf Jahre nach der Selbstverpflichtung der Wirtschaft, mehr Frauen in Aufsichtsräte und Vorstände zu berufen, liegt ihr Anteil nach Angaben der Initiative Frauen in die Aufsichtsräte (FidAR) bei 11,7 Prozent (Stand 15. September 2013). In den Aufsichtsräten beträgt danach der Frauenanteil 17,4 Prozent, bei den Vorständen 6,1 Prozent. 37 der 160 Unternehmen haben seit Januar 2011 erstmals in ihrer Geschichte eine Frau in die Kontrollgremien berufen, einige auch in die Chefetage. Bei 31 dieser Top-Unternehmen gibt es allerdings in der Führungsetage noch immer keine einzige Frau.

Wie reagieren die Unternehmen?

Nach außen gelassen: Beim Autobauer Daimler beispielsweise sind bereits fünf von 20 Aufsichtsratsmitgliedern Frauen. Drei davon sitzen auf der Seite der zehn Arbeitgebervertreter: «Das entspricht dort bereits dem Anteil von 30 Prozent», sagte eine Sprecherin am Montag. «Wir erfüllen die Quote also momentan schon nahezu.» Europas größter Autobauer Volkswagen müsste den Frauenanteil in seinem Aufsichtsrat dagegen spürbar erhöhen. Von den insgesamt 20 Mitgliedern in dem Kontrollgremium sind bisher erst drei weiblich; zwei auf Kapital- und eines auf der Arbeitnehmerseite.