Analyse: Ein Bischof in der Hand des Papstes

Acht lange Tage hat Franz-Peter Tebartz-van Elst darauf warten müssen, dem Papst seine Sichtweise der Dinge darlegen zu dürfen. In gebührendem Abstand zu dem Chef der deutschen Bischöfe, Erzbischof Robert Zollitsch, kam der Limburger Oberhirte am Montag in den Vatikan.

Damit liegen jetzt auch die Karten des Bischofs auf dem Tisch - Papst Franziskus könnte also nun entscheiden, wie es mit dem angeschlagenen Bischofsbruder aus hessischen Landen weitergehen soll.

Dass gleichentags auch der einflussreiche Kölner Erzbischof Joachim Meisner eine Audienz bei Franziskus hatte, kann das Bild für das argentinische Kirchenoberhaupt der katholischen Weltkirche noch abrunden. Denn Meisner galt zumindest bislang als einer der wenigen Unterstützer des Limburgers, der seine Kirche in eine Krise stürzt.

«High Noon» am Tiber: Um die Mittagszeit erschien der Bischof zum Rapport, den er dem Heiligen Vater geben wollte. Im Kreuzfeuer der Kritik in Deutschland, soll Tebartz-van Elst in einem deutschen Pilgerzentrum die ganze Woche ausgeharrt haben. Öffentlich ließ er sich nicht blicken. Der Papst musste ihn anhören, konnte ihm den Wunsch nicht abschlagen, so ist das Prozedere im Vatikan.

Für Franziskus war es aber auch ein Gebot der Fairness und seinem Stil angemessen - Jorge Mario Bergoglio hört immer erst alle in Ruhe an, um danach seine Entscheidung zu fällen. Ob er in diesem Fall ein schneller Richter ist, bleibt abzuwarten. Für Überraschungen ist er immer gut. Und wie verhasst ihm Prunk und Prasserei in seiner Kirche sind, sagt er bei jeder sich bietenden Gelegenheit laut. Er dürfte sich über den teuren Limburger Bischofssitz so seine Gedanken machen.

Kameraleute, Fotografen, Journalisten, sie alle warteten umsonst an einem Vatikan-Eingang. Von dem Bischof, dessen kurze Audienz bei Franziskus ins päpstliche Programm gepresst worden war, erheischten sie keinen Blick, geschweige denn ein Wort. Dafür äußerte sich der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode düster zur verfahrenen Lage: «Seine Rückkehr in das Bistum Limburg wird sicher ganz schwierig.»
Doch Tebartz-van Elst schien bisher kaum geneigt, den Hut zu nehmen.

Ein Blick zurück und dann nach vorn. Im April 2010 herrschte ein gewaltiges Durcheinander, als der damalige Augsburger Bischof Walter Mixa, wegen Misshandlungs- und Veruntreuungsvorwürfen wochenlang im Fokus der Medien, seinen Rücktritt anbot. Er wollte «weiteren Schaden von der Kirche abwenden», widerrief diesen Schritt aber ein paar Tage
später. Das Hin und Her beendete Papst Benedikt XVI., indem er - dem normalen Verfahren folgend - Mixas Rücktritt annahm. Joseph Ratzinger verwies dabei auf den Paragrafen des katholischen kanonischen Rechts,
der jetzt auch für einen Abgang des Limburger Bischofs gelten könnte: Ruhestand wegen Krankheit oder auch «anderer schwerwiegender Gründe».

Ob der Papst nun rasch handelt oder erst den Bericht der Prüfer im Bistum der Stadt an der Lahn abwartet, das ist die eine Frage. Liegt der Ball bei dem Limburger Bischof, der sich jetzt überlegen muss, ob er - vom Papst gedrängt - formell darum bittet, seinen Bischofssitz räumen zu dürfen? Dabei erscheint auch die «elegante» Lösung denkbar, den unter so schwerem Beschuss stehenden Kirchenmann zu versetzen.

Die Kirche zeigt oft Fürsorge für Oberhirten, die Probleme haben, das ist das eine. Ein schlichter Rauswurf erregt auch nur noch mehr Aufsehen. Um den Schaden durch diese Affäre für die deutsche Kirche, sofern überhaupt möglich, zu begrenzen, dazu bräuchte es eigentlich für den Papst den Prüfungsbericht kaum. Das Kirchenschiff ist schon stark genug dem Sturm der Entrüstung ausgesetzt, den der Limburger ausgelöst hat. Zollitsch nannte dies ein «Glaubwürdigkeitsproblem».