Analyse: Einigung, aber noch kein Ende im Griechen-Drama

Am Ende ging es schneller als erwartet - ohne aufreibende Nachtsitzung und ohne ermüdenden Verhandlungsmarathon. Selbst die kühnsten Optimisten in Brüssel hatten im griechischen Schuldendrama nicht diesen Ausgang erwartet.

Analyse: Einigung, aber noch kein Ende im Griechen-Drama
Olivier Hoslet Analyse: Einigung, aber noch kein Ende im Griechen-Drama

Ein Durchbruch, den nach den teils heftigen Wortgefechten vor der entscheidenden Runde am Freitagabend so niemand auf der Rechnung hatte: Athen bekommt vier Monate Zeit, muss eine Reformliste vorlegen, kann auch eigene Maßnahmen umsetzen - und auf weitere Milliarden hoffen. Stolpersteine gibt es noch reichlich. Das Misstrauen bleibt groß.

Überschäumender Jubel machte sich in Brüssel aber nicht breit - wohl auch nicht in Athen. Denn vorerst wurde nur ein erster Schritt getan, um die weitere Finanzierung des hoch verschuldeten Landes zu sichern und die Staatspleite abzuwenden - in den nächsten Monaten zumindest. Viel war auch nach den aufreibenden Stunden die Rede davon, jetzt erst einmal wieder Vertrauen herzustellen. Vorsichtig wurde von einer Brücke gesprochen. Wie weitere Hilfen aussehen und wie hoch sie sein werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt offen.

Schon die Vorgespräche und Abstimmungen in kleinem Kreis dauerten länger als geplant. Sie waren offensichtlich auch ergiebiger als üblich. Denn kaum hatte das eigentliche Ministertreffen mit dreieinhalbstündiger Verspätung begonnen, da machte schon das Wort «Einigung» das erste Mal die Runde. Athener Fernsehsender preschten einmal mehr vor, was die Euro-Minister diesmal aber als gutes Zeichen werteten. Denn es galt als Hinweis, dass Regierungschef Alexis Tsipras vom Linksbündnis Syriza von Athen aus grünes Licht für eine Einigung Richtung Brüssel gegeben haben könnte.

Fakt ist: Die Griechen hatten bei diesem dritten Krisentreffen innerhalb von nicht einmal zwei Wochen offenbar schwere Kost zu schlucken. Die Kritik am Antrag der neuen Links-Rechts-Regierung auf Verlängerung der Finanzhilfen ohne die geforderten klaren Zusagen war groß, nicht nur vom deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble. Dabei hatte sich zuvor der Athener Ressortchef Gianis Varoufakis noch selbst für die Kompromissbereitschaft gelobt. Athen sei «zehn Meilen» statt nur «einer Meile» gegangen.

Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem legte schließlich den Griechen ein Papier mit den klaren Vorstellungen der Geldgeber auf den Tisch, telefonierte mit Tsipras und stellte dem Vernehmen nach klar: Dieses Papier oder keines. Auch der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, spielte eine entscheidende Rolle. Sicher gab es Warnungen des Notenbankers über einen drohenden Kollaps der griechischen Geldhäuser. EU-Währungskommissar Pierre Moscovici jedenfalls jubelte schon zwischendurch munter und ließ die Welt per Kurznachrichtendienst Twitter wissen: «es geht voran, es geht voran, es geht voran.»