Analyse: Hoffnung in der Hoffnungslosigkeit

Mit Begeisterung war Banafsheh M. vor vier Jahren zur Wahl gegangen. Die Studentin erhoffte sich wie Millionen junge Menschen ihrer Generation eine bessere Zukunft. Aber ihre Hoffnungen endeten auf einer Polizeiwache in Teheran.

Analyse: Hoffnung in der Hoffnungslosigkeit
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Erst nach hohen Schmiergeldzahlungen konnten ihre Eltern die 19-Jährige wieder mit nach Hause nehmen. Danach wollte Banafsheh nie mehr wählen gehen.

Inzwischen hält sie aber nichts mehr von einem Wahlboykott. «Wie sagt man so schön (im Persischen): Auch in der Hoffnungslosigkeit ist immer ein bisschen Hoffnung», sagte die nun 23-Jährige, die einen Abschluss als Sozialpädagogin anstrebt. Sie und ihre Freunde sind kurz vor der Präsidentenwahl zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Stimmenthaltung nur diejenigen politischen Kräfte stärken würde, die sie nicht haben wollen. «Das ist unser Land, ein anderes haben wir nicht, daher dürfen wir es nicht einfach aufgeben», sagt ihre gleichaltrige Kommilitonin Bita nach der Stimmabgabe am Freitag.

Es sind wieder die Stimmen der jungen Leute, die die Wahl spannend machen. Im Reformkandidaten Hassan Ruhani sehen sie einen Bewerber, über den sie ihren Protest gegen den Status quo ausdrücken können. Vor vier Jahren hieß der Favorit der reformorientierten Jugend Mir Hossein Mussawi. Die Protestbewegung damals trug die Farbe grün, die von heute leuchtet lila. Beide Farben gelten als Zeichen für Protest und Veränderungen.

«Nicht, dass wir Ruhani trauen, aber unsere Stimme für ihn ist eine Stimme gegen das, was wir nicht wollen», sagt Banafscheh. Solche Proteststimmen eröffnen der Reformbewegung und ihrem Kandidaten Ruhani Chancen auf einen Wahlerfolg. Die zwei Konservativen im Rennen, Ali Akbar Welajati und Mohammad Bagher Ghalibaf, haben den Segen des Establishments und des Klerus und damit die Stimmen der konservativen Stammwähler sicher. Der Hardliner Said Dschalili kann auf die Stimmen der Islamisten im Land zählen.

Der dunkle Schatten der Betrugsvorwürfe nach der Stimmauszählung vor vier Jahren beherrscht immer noch die Atmosphäre: «Der Frust sitzt noch sehr tief», sagt der 33-jährige Computerexperte Bahram. Bewiesen wurde zwar nichts, ein Wahlbetrug wurde offiziell kategorisch dementiert. Aber überzeugt war am Ende keiner so recht. «Im Persischen sagt man: Wenn nix ist, wird darüber auch nicht gesprochen», sagt ein iranischer Journalist. Über Wahlbetrug wurde 2009 sehr viel gesprochen.

Inzwischen gibt es eine neue Generation von Erstwählern, die mit über 18 nun mitwählen dürfen. Viele zeigen sich zuversichtlich: «Die Älteren haben es vor vier Jahren versucht. OK, schief gelaufen. Wir versuchen es nun einfach noch mal», sagt der Abiturient Amir-Hussein.