Analyse: Irak-Krieg wirft Schatten auf Obamas Syrien-Pläne

Es geht um Glaubwürdigkeit - und die Angst, alte Fehler zu wiederholen. Sind die Belege für eine Giftgasattacke des syrischen Regimes hieb- und stichfest?

Analyse: Irak-Krieg wirft Schatten auf Obamas Syrien-Pläne
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Selbst der Stabschef im Weißen Haus, Denis McDonough, deutete am Sonntag im US-Fernsehen an, dass die Beweise für eine Verantwortung des Regimes von Baschar al-Assad nicht hundertprozentig sein könnten. Informationen der Geheimdienste und der «gesunde Menschenverstand» legten Assads Schuld aber nahe. Und wieder spukt das Irak-Gespenst in den Köpfen herum.

2003 behauptete die US-Regierung, die Geheimdienste hätten «unwiderlegbare» Beweise für Massenvernichtungswaffen im Irak. Es stimmte nicht. Beobachter ziehen nun Parallelen zwischen dem angeblichen Überschreiten der von Präsident Barack Obama gezogenen «roten Linie» und den Bemühungen der Regierung von George W. Bush, den Einmarsch im Irak zu rechtfertigen.

Zwar sind die Berichte, dass am 21. August bei einem Giftgaseinsatz nahe Damaskus mehr als 1300 Menschen ums Leben kamen, durchaus glaubhaft. Nach dem Irak-Debakel bekommt Obama aber nicht nur in der UN kein Mandat für einen Strafeinsatz. Auch bei den Verbündeten und im eigenen Haus findet er nur mühsam Rückhalt. Neben der Beweisfrage spielt dabei auch die Frage eine Rolle, was mit dem Angriff bezweckt werden soll - und welche Folgen er haben könnte.

Politikexperten glauben, dass die USA ein Jahrzehnt nach dem Einmarsch in den Irak noch viele Lehren aus dem Golfkrieg zu ziehen haben. Die Invasion gilt als einer der kostspieligsten Militäreinsätze in der US-Geschichte. Obama wurde nicht müde, die Unterschiede zwischen dem Irak-Krieg und einem Einsatz in Syrien zu betonen. Doch die US-Bevölkerung ist kriegsmüde und steht neuen Einsätzen in der Region äußerst skeptisch gegenüber.

Obama, der als Präsidentschaftskandidat das teure Militärabenteuer im Irak abgelehnt hatte, plant den Syrienschlag als einen befristeten Einsatz ohne Bodentruppen. Stattdessen soll es zeitlich begrenzte Raketenangriffe geben. Ziel sei kein Regimewechsel, sondern ein «Schuss vor den Bug» Assads und die Zerstörung der syrischen Möglichkeiten für einen Chemiewaffenkrieg.

Trotzdem warnen Analysten, dass Washington sich ohne klar definierte Ziele in Syrien einmische. Es fehle eine diplomatische Strategie für einen raschen Rückzug aus dem Konflikt, der nun schon fast drei Jahre dauert. Genau daran krankte der Einsatz im Irak.

«Haben die USA wirklich aus dem Irak gelernt, bevor sie nach Syrien gehen?», fragt Salman Shaikh vom Brookings Center, einer Denkfabrik in Katar. «Wenn die USA ohne ein klares und starkes Mandat und ohne eine politische Strategie in Syrien eingreifen, könnten sie sich mehr aufhalsen, als Obama recht ist.»  

Auch Washingtons Haltung zu den syrischen Rebellen erklärt sich aus dem Vermächtnis des Irak-Kriegs. Die US-Regierung ist gegen Waffenlieferungen oder direkte Finanzhilfen - aus Angst, diese könnten in die Hände von Al-Kaida nahestehenden Gruppen fallen. Dieser Mangel an Unterstützung bedeutet aber, dass die USA keine verlässlichen Verbündeten in Syrien haben. Und es gebe auch niemanden, der die Macht übernehmen könne, sollte das Regime stürzen, sagt Nadim Shehadi von der Londoner Denkfabrik Chatham House.

Das Auftreten von Al-Kaida im Irak steht ganz oben auf der Bedenkenliste der Kritiker eines Syrien-Einsatzes. Radikalislamische Milizen sind auch in Syrien aktiv. Auf der Titelseite der «New York Times» prangte vor wenigen Tagen ein Bild von Rebellen, die gefesselte, halbnackte syrische Soldaten hinrichten. Das Foto schockierte den Kongress und viele Amerikaner: «Das ist nicht unser Krieg. Wir sollen zwischen dem Iran und Assad auf der einen und Al-Kaida auf der anderen Seite wählen? Das macht keinen Sinn», sagte der republikanische Abgeordnete John Culberson dem «National Journal».