Analyse: Kurden rufen nach Hilfe gegen den «IS-Faschismus»

Der PKK-Führer Abdullah Öcalan blickt von einem riesigen Porträt auf die Menschenmasse vor dem Landtag in Düsseldorf hinab. Demonstranten haben es über mehrere Ebenen des gegenüberliegenden Parkhauses gehängt.

Analyse: Kurden rufen nach Hilfe gegen den «IS-Faschismus»
Roland Weihrauch Analyse: Kurden rufen nach Hilfe gegen den «IS-Faschismus»

Der inhaftierte Mitbegründer der auch in Deutschland verbotenen «Arbeiterpartei Kurdistans» (PKK) ist immer noch eine Identifikationsfigur für viele der Demonstranten. Überall wehen die Flaggen der Autonomen Region Kurdistan.

12 000 Teilnehmer wurden erwartet - am Samstagnachmittag sind es nach Polizeiangaben weit über 20 000 Demonstranten, die durch die Düsseldorfer Innenstadt zum Landtag marschieren. Verschiedenste kurdische Verbände haben zur Solidaritätskundgebung mit der vom Islamischen Staat bedrohten Stadt Kobane in Syrien aufgerufen. Einige linke Gruppen wie die MLPD und Vertreter der Partei Die Linke schlossen sich an. «Hoch die Internationale Solidarität», schallen immer wieder die Sprechchöre.

Die schrecklichen Berichte über das Morden der Terrormiliz IS in Kobane belasten die Kurden auch im fernen Deutschland. Viele Demonstranten wirken im Gespräch höchst emotional. «Europa und die USA schauen zu, wie Kobane umzingelt wird - das ist gegen die Menschlichkeit», sagt Gazi Kahraman, ein dunkelhaariger junger Mann mit leichtem Akzent. «Die Kurden haben in Shingal ein Massaker unter den Yesiden verhindert», sagt er. «Hier steht ein weiteres bevor und niemand hilft den Kurden.»

Das ist die Stimmungslage unter den meisten Teilnehmern. Sie sehen sich im Kampf mit dem «IS-Faschismus» vom Westen allein gelassen. Die Türkei spiele eine falsches Spiel. «(Staatspräsident Recep Tayyip) Erdogan versucht mit Hilfe des IS die Kurden zu zerschlagen», sagt Gökay Akbulut, Sprecherin der Veranstalter.

«Es ist eine humanitäre Katastrophe», beklagt Akbulut. Die Türkei müsse endlich einen Sicherheitskorridor für Hilfslieferungen, Flüchtlinge, Kämpfer und vor allem Waffen einrichten. Das liege aber nicht im Interesse des türkischen Staatschefs Erdogan, der die Gunst der Stunde nutzen wolle, um die kurdische Autonomie zu verhindern. Nun sitze Kobane in der Falle zwischen IS und türkischem Militär.

Selbst in Deutschland fühlen sich viele der Teilnehmer bedroht. «Der Staat sollte etwas unternehmen gegen die IS-Sympathisanten», sagt Baran Yalcioglu, ein junger Mann aus Essen, der das Gespräch am Rande der Demonstration mitverfolgt hat. «Hier laufen diejenigen, die nach Syrien fahren, um Menschen zu ermorden, einfach frei herum.» In den vergangenen Tagen war es in Hamburg und Celle zu schweren Auseinandersetzungen mit mutmaßlichen Sympathisanten des IS gekommen.

Wenn Kobane falle, sind sich Yaclcioglu und Kahraman einig, werde das auch in Deutschland Konsequenzen haben. «Dann müssen wir uns selbst gegen die Islamisten verteidigen - ob nun hier oder in den kurdischen Regionen.» Am Samstag in Düsseldorf bleibt aber alles friedlich.