Analyse: Le Pen mit Erfolgen in Frankreich

Der neuerliche Erfolg für die französischen Rechtsextremen zeigt das Dilemma für die Front National von Parteichefin Marine Le Pen auf.

Die FN kommt inzwischen regelmäßig mit satten Ergebnissen aus den Wahllokalen, erhält dafür aber im von Zentralismus und Mehrheitswahlrecht geprägten Frankreich kaum reale Macht oder parlamentarischen Einfluss. Als nächstes geht es um die Präsidentschaft, dann will auch Le Pen wieder antreten.

Der Soziologe Sylvain Crepon von der Universität in Tours verwies zuletzt auf die Wirkungen solcher Wahlerfolge: «Das ist ein System, das sich mehr und mehr etabliert», sagt der Extremismusexperte. Die beiden FN-Abgeordneten unter 577 Parlamentariern der Nationalversammlung spiegeln das aus seiner Sicht nicht wieder. «Frankreich wird zu einem Drei-Parteien-System», konstatierte Crepon.

Schwache Wahlbeteiligung ist für den Forscher ein Grund für den Ausgang der Entscheidungen: «Die FN mobilisiert ihre Wähler besser als andere Parteien.» Gleichzeitig präsentieren sich Le Pen und ihre Partei gern nah an den Wählern, ihren Interessen, Sorgen, Nöten. «Es ist das Verständnis, das die FN nach vorne stellt.»

Der Weg Richtung Pariser Machtzentrale im Élyséepalast ist nicht nur steinig für Le Pen, er könnte sich auch als zu lang erweisen. Nach der französischen Verfassung muss die mit zahlreichen Kompetenzen bis hin zum obersten Militärchef ausgestattete Spitze des Staats mit absoluter Mehrheit gewählt werden. Nach allen Umfragen hat Le Pen bisher keine Chance in einem zweiten Wahlgang gegen dann nur einen Gegner - egal wie er heißen wird.

Amtsinhaber Hollande umgeht bisher jede konkrete Antwort auf mögliche Pläne für eine erneute Kandidatur. Die gegenüber allen bisherigen Amtsinhabern konkurrenzlos schlechten Umfragewerte waren vermutlich kaum Motivation für eine frühe Festlegung. Nach den Terroranschlägen von Paris sind die Zustimmungswerte für Hollande wieder in die Höhe geschossen.

Beim internationalen Kampf gegen den Terror etwa in Mali, wo die Franzosen seit fast drei Jahren kämpfen, bei den Luftschlägen gegen Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat seit September im Nordirak und inzwischen auch in Syrien hat Kriegsherr Hollande seine Landsleute hinter sich. Auch seine mitfühlende Seite etwa bei den in Frankreich extrem wichtigen Gedenken an die Weltkriege oder nach den Anschlägen in diesem in Frankreich von Terror geprägten Jahr kommen gut an. Allerdings hat das weder Hollande noch seinen Sozialisten viel geholfen bei Wahlen seit der Machtübernahme 2012.

In einem Dilemma steckt auch Ex-Präsident Nicolas Sarkozy, dem fast jeder in Frankreich den unbedingten Willen zur Rückkehr in den Élysée unterstellt. Offen gesagt hat er das allerdings bis heute nicht, zumal sein innerparteilicher Gegner, der frühere Premierminister Alain Juppé, in Umfragen vorn liegt. Die Erfolge der Rechtsextremen werden auch Sarkozy angelastet. «Die FN profitiert systematisch, wenn ihre Thesen übernommen werden», analysierte Soziologe Crepon.

Auch innerparteilich wird Sarkozy angelastet, sich nach dem ersten Wahlgang in den Regionen einem gemeinsamen Vorgehen gegen die Front National verweigert zu haben. Die Sozialisten hatten mit dem Rückzug von zwei aussichtslosen Kandidaten den Konservativen Unterstützung gegen FN-Bewerber gegeben.