Analyse: Marine Le Pen zwischen Triumph und leeren Händen

Zwischen erneutem Wahltriumph und anhaltender Machtlosigkeit liegen für Frankreichs Rechtsextreme nur ein paar ProzentpunkTe.

Analyse: Marine Le Pen zwischen Triumph und leeren Händen
Ian Langsdon Analyse: Marine Le Pen zwischen Triumph und leeren Händen

Die Front National (FN) von Parteichefin Marine Le Pen geht heute mit einem historischen Erfolg aus der ersten Runde in die Wahllokale. Doch die führende Position in sechs Regionen kann sich bei der zweiten und entscheidenden Abstimmung schnell erneut als Strohfeuer erweisen. Umfragen sehen die Front National hinten.

Am vergangenen Sonntag konnten die Anhänger der Rechtsextremen bei der letzten landesweiten Entscheidung vor der Präsidentschaftswahl 2017 noch ausgelassen feiern: Mit 27,7 Prozent gelang der FN ihr bisher bestes Ergebnis auf Landesebene - rund drei Punkte mehr als bei der Europawahl 2014. Ein von den Republikanern unter Ex-Präsident Nicolas Sarkozy geführte Parteienbündnis lag mit 26,7 Prozent einen Punkt dahinter (Europawahl: 20,8). Die regierenden Sozialisten von Staatschef François Hollande, dem schlechte Wirtschaftswerte und hohe Arbeitslosigkeit angelastet werden, kamen mit ihrem Bündnis auf 23,1 Prozent (14).

Knapp werden könnte es vor allem in drei Regionen im Norden, Osten und Südenosten. Das Land ist nach einer Reform in 13 Regionen aufgeteilt, hinzu kommen fünf Überseegebiete.

Parteichefin Le Pen tritt selbst in Nord-Pas-de-Calais-Picardie an. In der ersten Runde lag sie mit 40,6 Prozent noch klar vorn. Der französische Schauspieler Dany Boon, der seine Heimat an der Grenze zu Belgien mit der Komödie «Willkommen bei den Sch’tis» international bekanntmachte, zeigte sich per Facebook-Posting entsetzt. Er könne nicht glauben, dass seine für «Toleranz, Offenheit, Sinn für Humor, Großzügigkeit und Menschlichkeit» bekannte Region künftig von einer rechtsextremen Partei dirigiert werden sollte. «Keines der aktuellen Probleme wird dadurch gelöst - im Gegenteil», schrieb der 49-Jährige.

Im Norden haben die Sozialisten nach dem ersten Wahlgang ihren aussichtslosen Kandidaten zurückgezogen. Damit hat es Le Pen mit nur einem Gegner zu tun. In Stichwahlen war die FN bisher meist chancenlos gegen gemäßigte Bewerber. Auch Le Pen liegt nun wieder hinten: Umfragen sehen den jetzt von Sozialisten unterstützen Republikaner Xavier Bertrand mit 53 Prozent sechs Punkte vor Le Pen.

Eine ähnliche Lage hat sich im südöstlichen Provence-Alpes-Côte d'Azur ergeben. Dort tritt die 26-Jährige Marion Maréchal-Le Pen an. Die Nichte der Parteichefin war noch von ihrem Großvater für die Region ins Spiel gebracht worden, dem inzwischen wegen antisemitischer Äußerungen aus der Partei ausgeschlossenen FN-Gründer Jean-Mari Le Pen. Auch Maréchal-Le Pen liegt nach dicker Führung mit knapp 41 Prozent nun in Umfragen gegen den konservativen Christian Estrosi zwischen zwei und acht Punkte hinten. Auch dort hatte der sozialistische Kandidat den Weg durch einen Verzicht freigemacht.

An der Grenze zu Deutschland hat sich der Sozialist Jean-Pierre Masseret der von der Parteiführung in Paris verordneten «Blockage» gegen die Front National verweigert. Er tritt nach aussichtslosen 16 Prozent im ersten Durchgang auch am Sonntag wieder an. Dennoch liegt der nun offiziell von den Sozialisten unterstützte Konservative Philippe Richert in Umfragen mit 43 Prozent zwei Punkte vor Florian Philippot. Der Vertraute von FN-Chefin Le Pen war am Sonntag noch in Front.

In den anderen Regionen machen im zweiten Wahlgang von Grünen und anderen Linksparteien unterstütze Sozialisten und der bürgerliche Block unter den Republikanern laut Umfragen das Rennen jeweils unter sich aus. Die FN kann sich jeweils kaum Chancen ausrechnen.