Analyse: Pofallas Paukenschlag - Raus aus Merkels Machtzentrum

Damit hat keiner gerechnet. Einer der engsten Vertrauten von Angela Merkel verlässt das politische Machtzentrum. Heftig war spekuliert worden, was Kanzleramtsminister Ronald Pofalla denn künftig auf der großen Bühne machen würde - als Belohnung für jahrelanges hartes, auch gnadenloses Arbeiten ohne Privatleben. Und nun geht er. Nicht ins Kabinett, sondern raus aus der Schaltzentrale, die die Geschicke dieses Landes lenkt. Nach einer Auszeit will der 54-jährige CDU-Mann in die Wirtschaft wechseln. Sein Bundestagsmandat will er behalten. Seit 1990 gehört er dem Parlament an.

Analyse: Pofallas Paukenschlag - Raus aus Merkels Machtzentrum
Michael Kappeler Analyse: Pofallas Paukenschlag - Raus aus Merkels Machtzentrum

Als Wirtschafts- oder Arbeitsminister wurde Pofalla gehandelt. Sogar als Innenminister, obwohl er als Zuständiger für die deutschen Nachrichtendienste in der Aufarbeitung der Affäre um den US-Geheimdienst NSA keine rühmliche Rolle spielte. Zu früh hatte er den Skandal für beendet erklärt. Danach wurde bekannt, dass selbst das Mobiltelefon der Bundeskanzlerin abgehört wurde.

Pofalla ist stolz darauf, ganz oben angekommen zu sein und verweist gern darauf, dass er sich von ziemlich weit unten hochgearbeitet hat. Er machte Mittlere Reife, besuchte eine Fachoberschule und studierte schließlich erst Sozialpädagogik und dann noch Rechtswissenschaften.

Merkel hat Pofalla einiges zu verdanken. Der Rheinländer war auch ihr Mann fürs Grobe. Die CDU-Chefin profitierte von seiner Angriffslust. Diese Art liegt Merkel selbst nicht. Einmal wurde öffentlich, wie er mit Weggefährten umgeht, die sich seiner Diktion nicht beugen. «Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen», schleuderte er dem CDU-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Bosbach entgegen, der sich von seinem Nein zu einem neuerlichen Griechenland-Hilfspaket nicht abbringen ließ. Kritik verträgt Pofalla schlecht.

2009 organisierte Pofalla als Generalsekretär einen Wahlkampf, der Bürger und Gegner einlullen sollte. Aus der schon damals ungeliebten großen Koalition heraus warb die CDU für ein Bündnis mit der FDP. Entgegen allen Erwartungen konnte die Union ihr Wunschbündnis dann tatsächlich bilden. Ziemlich unerwartet kam es jedoch zu Turbulenzen und Zerwürfnissen mit und in der FDP, die Pofalla nicht immer zu befrieden oder auch nur zu steuern vermochte.

An den großen Wahlsieg der Union von 41,5 Prozent am 22. September hat auch er seinen Anteil. Als Kanzleramtschef stärkte er Merkels Position in der Koalition, im In- und im Ausland.

Schon vor geraumer Zeit stellte er sich aber die Frage, ob eine solch hohe Arbeitsbelastung der einzige Sinn des Lebens sein kann, oder nicht auch Bootstouren, Sport oder Ausschlafen erstrebenswert wären. Der 54-Jährige will dem Vernehmen nun nach eine Familie gründen. Die «Bild»-Zeitung druckte ein Foto von ihm und seiner 20 Jahre jüngeren Freundin. Seine Ehe war nach zehn Jahren gescheitert.