Analyse: Wenn Medien in die Luft gehen: Drohnen als Reporter

Seien es Bürgerkrieg, Naturkatastrophen oder Unfälle in Atomkraftwerken: Bei der Berichterstattung stoßen Journalisten manchmal an ihre Grenzen. Dann riskieren sie ihr Leben für eine Reportage.

Analyse: Wenn Medien in die Luft gehen: Drohnen als Reporter
Patrick Pleul Analyse: Wenn Medien in die Luft gehen: Drohnen als Reporter

Drohnen könnten in Risikogebieten den Menschen ersetzen - zumindest wenn es nach den Vorstellungen von Entwicklern geht. Doch die neue Technik hat viele Gegner - und hohe Hürden.

«Es gibt eine ganze Reihe von Chancen», sagt Digitaljournalist Marcus Bösch. Medien-Drohnen könnten in Krisengebieten wie Syrien herumfliegen und Bilder sammeln oder für Lokalredaktionen in Städten Mülldeponien oder Baustellen über längere Zeit dokumentieren. Auch darüber hinaus wären Drohnen nützlich.

Für investigative Recherchen könnte eine Drohne mit Sensoren mehr als nur Bilder liefern. «Ich kann beispielsweise im Umweltschutzbereich mit einer Drohne über einen Schornstein einer Fabrik fliegen und der Sensor kann mir anzeigen, ob da wirklich nur Wasserdampf drin ist oder andere Rückstände», sagt Bösch.

In Gebieten wie um das havarierte japanische Atomkraftwerk Fukushima wäre eine Drohne dazu einzusetzen, die radioaktive Strahlung zu messen. Die unbemannten Objekte könnten genauso gut zu Land und im Wasser eingesetzt werden, sagt der Journalist Lorenz Matzat, der sich seit Jahren mit neuen Techniken beschäftigt. «Für mich sind Drohnen nicht nur Flugdrohnen.»

Einsteigermodelle gibt es bereits ab ein paar Hundert Euro. Für Drohnen mit hochauflösenden Bildern wären Medienunternehmen aber schnell mehr als Tausend Euro los und bräuchten einen professionellen Lenker.

Und unendlich sind die Möglichkeiten der kleinen Flugobjekte dann doch nicht. «Der Akku ist das größte Manko», sagt Bösch. «Nach maximal 15 Minuten ist Schluss, die Größeren halten etwas länger.»

Zudem ist es nicht möglich, in Deutschland ohne Vorbereitung spontan eine Medien-Drohne aufsteigen zu lassen, gibt Matzat zu Bedenken. «Es ist sehr bürokratisch, das ist das große Problem.»

Ob Versicherung, Aufstiegsgenehmigung, Flugverbot über Menschen und in bestimmten Gebieten, Urheberrechtsfragen oder ständiger Sichtkontakt zur Drohne: Die rechtlichen Bestimmungen für die Flugobjekte sind streng.

Doch es geht nicht nur um rechtliche Hürden. Bei vielen Bürgern herrscht große Skepsis. Die kleinen Technikwunder haben keinen guten Ruf. Militärische Flugobjekte, die Terroristen in Krisengebieten töten, machen negative Schlagzeilen.

Aktivisten protestieren gegen Polizei-Drohnen bei Demonstrationen. Und Datenschützer schlagen Alarm bei der Vorstellung, dass Mini-Hubschrauber mit einer Kamera durch die Gärten von Promis fliegen und durch Fenster filmen könnten.

«Drohnen sind derzeit noch relativ laut, geheime Bildaufnahmen also gar nicht so problemfrei», meint Bösch. Er ist sich dennoch sicher: «Das wird kommen und wird in einigen Jahren zum Alltagsleben dazugehören, dass über uns unbemannte Gerätschaften jedweder Größe unterwegs sind.»

Die Post testet Drohnen für Paketlieferung, die Polizei nutzt sie für Ermittlungen und das Fernsehen setzt fliegende Kameras regelmäßig für spektakuläre Bilder aus der Vogelperspektive ein - ob bei Skirennen, im «Tatort» oder bei Landschaftsreportagen.

«Journalisten und ihre Verbände sollten das Thema Drohnenjournalismus daher auf ihre Agenda nehmen und entscheiden, was sie mit Drohnen tun oder lassen wollen», schreibt die IT-Anwältin Ramak Molavi in einem Beitrag zu der Konferenz «Groundbreaking Journalism», die im April in Berlin stattgefunden hat. «Als Gesellschaft haben wir die Wahl, in welche Richtung sich eine neue Technologie entwickeln sollte.»