Angst vor Terror am Wahltag in Nigeria

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hat in Nigeria die Präsidentenwahl begonnen. Rund 70 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, sich zwischen dem christlichen Amtsinhaber Goodluck Jonathan oder seinem muslimischen Herausforderer Muhammadu Buhari zu entscheiden.

Angst vor Terror am Wahltag in Nigeria
George Esiri Angst vor Terror am Wahltag in Nigeria

Rund 360.000 Polizisten sind im Einsatz, um Zusammenstöße zwischen Anhängern der großen politischen Lager sowie mögliche Anschläge der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram zu verhindern.

Beobachter rechnen mit einem knappen Wahlausgang. Sie räumen dem 72 Jahre alten früheren Militärdiktator Buhari gute Chancen auf einen Sieg ein. Sollte der 57 Jahre alte Amtsinhaber Jonathan tatsächlich unterliegen, wäre es der erste Wahlsieg der Opposition seit der Rückkehr des westafrikanischen Lands zur Demokratie 1999. Belastbare Ergebnisse werden nicht vor Montag erwartet.

Die Wahl in Afrikas bevölkerungsreichster Demokratie war ursprünglich bereits für den 14. Februar angesetzt, wurde aber wegen des Terrorfeldzugs von Boko Haram im Nordosten des Landes verschoben. Auch am Samstag gab es erneut Opfer. Bei zwei Boko-Haram-Angriffen auf Wähler im Nordosten des Landes wurden örtlichen Medienberichten zufolge sechs Menschen getötet. Bei einem Autobombenanschlag auf ein Wahllokal in südöstlichen Enugu hingegen wurde niemand verletzt. Unbekannte Hacker legten zeitweise auch die Webseite der Wahlkommission lahm.

Wähler mussten sich am Samstagmorgen zunächst in einem der rund 150.000 Wahllokale registrieren lassen, erst am Nachmittag begann die eigentliche Abstimmung. Nigerianer wählen meist nach ethnischer Abstammung und Religionszugehörigkeit. Ungefähr die Hälfte der 178 Millionen Nigerianer sind Muslime und etwa 45 Prozent sind Christen, hauptsächlich im Süden des Landes. 

Um die Präsidentenwahl zu gewinnen, muss ein Kandidat neben einer absoluten Stimmenmehrheit auch mindestens 25 Prozent der Stimmen in zwei Dritteln der 36 Bundesstaaten des Landes gewinnen. Zur Wahl stehen zwar 14 Kandidaten, aber es läuft klar auf ein Duell zwischen Jonathan und Buhari hinaus. Sollte keiner die nötige Mehrheit erreichen, wäre in zwei Wochen eine Stichwahl fällig. Bislang war das noch nie nötig. Am Samstag wird auch ein neues Parlament gewählt.

Die starke Polizeipräsenz soll Ausschreitungen zwischen den politischen Lagern verhindern. Bei der vorangegangenen Wahl im Jahr 2011 waren bei Zusammenstößen Schätzungen zufolge rund 1000 Menschen ums Leben gekommen.

Jonathan von der regierenden Demokratischen Volkspartei (PDP) verspricht Afrikas stärkster Wirtschaftsmacht politische Kontinuität. Buhari von der Partei der Fortschrittlichen (APC) indes präsentiert sich als Nigerias Retter: Er verspricht, die grassierende Korruption einzudämmen und dem Terrorfeldzug der Boko Haram im Nordosten des Landes ein Ende zu setzen.

Die sunnitischen Extremisten sind seit 2009 jedes Jahr stärker geworden. Seither sind mindestens 14.000 Menschen bei Anschlägen und Angriffen der Islamisten getötet worden, 1,5 Millionen Menschen sind auf der Flucht.