Anklägerinnen von Bill Cosby sprechen im TV

Auf einem alten Schwarz-Weiß-Foto legt Bill Cosby lächelnd den Arm um die hübsche junge Blondine. Mehrere Jahrzehnte später wird das Bild in der beliebten US-Fernsehshow eingeblendet, danach ist die Frau in der Nacht zum Samstag im Studio zu sehen.

Anklägerinnen von Bill Cosby sprechen im TV
Frank Franklin Ii / Pool Anklägerinnen von Bill Cosby sprechen im TV

«Er hat mich unter Drogen gesetzt und gewaltsam vergewaltigt», sagt sie. Um sie herum sitzen fast 30 weitere Frauen, blonde und braunhaarige, Afro-Amerikanerinnen und Weiße, und sie alle haben ähnliche Geschichten zu erzählen. «Ich hatte ihm vertraut», sagt eine. «Er war der bekannteste Entertainer der Welt.»

Die Interviews hat die NBC-Journalistin Kate Snow bereits im August in Los Angeles fünf Stunden lang aufgezeichnet und dann für die Ausstrahlung auf eine Stunde zusammengeschnitten. Es ist das erste Mal, dass sich diese knapp 30 Frauen gemeinsam im Fernsehen äußern.

Rund 20 weitere Frauen haben Cosby ebenfalls bereits öffentlich sexuellen Missbrauch vorgeworfen. Und es werden ständig mehr. Der 78-Jährige und seine Anwälte bestreiten bislang alle Vorwürfe - und Zeugen, DNA-Tests oder andere Beweise haben bislang keine der Frauen vorlegen können. Aber um den einst so beliebten Komiker und Vorzeige-Familienvater aus der 80er-Jahre-Sitcom «Die Bill Cosby Show» ist es einsam geworden.

Der Ausstrahlungstermin der «Dateline»-Sendung war kein Zufall. Am Freitag hatten auch gleich mehrere Gerichtstermine für Cosby angestanden. Seinen Anwälten gelang es dabei nicht, eine Verleumdungsklage von drei Frauen abzuwehren.

Ein Richter im US-Bundesstaat Massachusetts stellte sich auf die Seite der drei Klägerinnen, die in Interviews erklärt hatten, in den 1970er Jahren von dem Komiker missbraucht worden zu sein.

Zudem sollte Cosby zur Klage einer heute 57-jährigen Frau eine eidesstattliche Erklärung abgeben. Sie wirft dem Komiker vor, sie 1974 in einem Schlafzimmer in der Playboy-Mansion in Los Angeles sexuell missbraucht zu haben.

Cosbys Anwälte hatten jedoch zuvor durchgedrückt, dass über den Ausgang der Befragung zunächst öffentlich nichts bekannt werden durfte - noch nicht einmal die genaue Uhrzeit und der Ort. Die Frauenrechtsanwältin Gloria Allred, die mehrere Frauen im Fall Cosby vertritt, kündigte für Samstag eine Erklärung an.

Die meisten Vorwürfe sind inzwischen verjährt und Cosby kann dafür nicht mehr vor Gericht gebracht werden. Trotzdem sei es ihnen wichtig gewesen, ins Fernsehen zu kommen, sagen die Frauen. «Es ist heilend und erlösend, darüber zu sprechen. Sich umzuschauen und zusammen zu sein.»