Anklage in Missoula erneuert Mordvorwurf im Fall Diren

Zu Beginn des Prozesses um den Tod des Hamburger Austauschschülers Diren (17) in Montana hat die Staatsanwaltschaft ihren Mordvorwurf erneut.

«Er hat wissentlich und absichtlich den Tod von Diren herbeigeführt. Genau das ist die Definition von Mord», sagte Staatsanwalt Andrew Paul am Montag am ersten Tag des Verfahrens in der Stadt Missoula über den Angeklagten. Das werde er in den drei Wochen, die der Prozess dauern soll, nachweisen, sagte Paul.

Der Angeklagte, ein damals 29 Jahre alter Feuerwehrmann, hatte im April den Austauschschüler erschossen, als der in seine Garage eingedrungen war. Was er da wollte, ist bis heute unklar. Die Verteidigung spricht von Notwehr, der Hausbesitzer wähnte sich und seine Familie in Gefahr. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm jedoch vor, aus Hass auf Einbrecher eine Falle gestellt zu haben. Er habe sofort auf den Jungen geschossen, obwohl von dem keine Gefahr ausgegangen sei.

Zum Prozessbeginn war Direns Familie mit dabei. Zum Teil trugen sie T-Shirts mit einem Bild des Jungen und seinem Geburtstag, dazu der Satz «Du wirst immer in unseren Herzen sein». Direns Vater blickte die meiste Zeit fast kämpferisch zu dem Angeklagten. Der heute 30-Jährige wirkte teilnahmslos. Wenn es konkret um ihn ging, sah er trotzig aus. Er hatte sich bei der ersten Gerichtsanhörung kurz nach den tödlichen Schüssen als nicht schuldig bekannt.

Die eigentliche Hauptverhandlung beginnt am Donnerstag mit der Verlesung der Anklage und der ersten Stellungnahme der Verteidigung. Jede Seite will etwa ein Dutzend Zeugen hören, zum Teil hochbezahlte Experten aus den ganzen USA. In Montana gibt es die Todesstrafe, die aber selten verhängt wird.