Ankläger bezeichnen Boston-Bomber als Dschihadisten

Im Prozess um den Bombenanschlag auf den Boston-Marathon vor zwei Jahren hat die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten eindeutig terroristische Motive vorgehalten.

Dschochar Zarnajew und sein Bruder hätten sich als islamistische Gotteskrieger verstanden und gezielt amerikanische Bürger umgebracht, sagte der Staatsanwalt Aloke Chakravarty am Montag in seinem Schlussplädoyer. Der heute 21-Jährige habe Amerika «bestrafen» wollen und dabei bewusst auch kleine Kinder zum Opfer machen wollen.

Zarnajew wird vorgeworfen, bei dem Anschlag im April 2013 drei Zuschauer getötet und 260 Menschen zum teil sehr schwer verletzt zu haben. Seine Verteidigung versuchte in ihrem Plädoyer, die Geschworenen davon zu überzeugen, dass er ein ganz normaler Schüler gewesen sei und nicht die Hauptschuld an der Tat trage. Der Strippenzieher sei stattdessen sein älterer Bruder Tamerlan gewesen, der bei einer Verfolgungsjagd mit der Polizei wenige Tage nach der Tat erschossen wurde. Es sei falsch, ihren Mandanten als Dschihadisten darzustellen.

Unmittelbar nach den Plädoyers sollten die Geschworenen zu Beratungen zusammenkommen. Ein Schuldspruch galt als sicher, weil auch die Verteidigung in dem Prozess bereits eingeräumt hat, dass Zarnajew auf der Zielgeraden des Traditionslaufs zwei Bomben gezündet hat, weshalb das Urteil bereits feststehen dürfte.

Mit Spannung wird dagegen die Schlussphase des Prozesses erwartet, wenn über das Strafmaß entschieden wird. Die Verteidigung zielt darauf ab, die Todesstrafe abzuwenden. Sie argumentiert, Zarnajew sei von seinem älteren Bruder zur Tat angestiftet worden.

Der Bruder wurde nach dem Bombenanschlag auf der Flucht erschossen. Es handelte sich um den schwersten Terroranschlag in den USA seit dem 11. September 2001.